Adjö, Sverige!

Blick aus dem Flugzeug auf die Tragfläche im Landeanflug auf Stockholm-Arlanda

Parfümgeschwängerte zu warme Luft, Kinderlachen, murmelnde Stimmen, Geraschel von aufreißenden Sandwichverpackungen, das Brummen und Rauschen des Flugzeugs.

Wir sitzen wieder mal in einem Lufthansa Airbus auf dem Heimweg aus einer anderen Welt.

Eine Welt voller Schneemassen, klarer, kalter Luft, Ruhe, polarlicht- und sternverziertem Himmel. Eine Welt fast ohne Elektronik, ohne Stress, ohne Strom, dafür immer frisches Quellwasser, Sauna, viele lustige, nette Gespräche, viel Bewegung, Einfachheit, Reduzierung auf Wesentliches. Zwischenmenschliches. Archaisches. Naturverbundenheit.

Auf Wiedersehen, geliebtes Schweden und vielleicht bis bald!

Wildnisdorf Solberget am Abend der Abfahrt. Moritz bringt unser Gepäck auf dem Lastschlitten zu den Autos.
Wildnisdorf Solberget am Abend der Abfahrt. Moritz bringt unser Gepäck auf dem Lastschlitten zu den Autos.

Umeå, die Stadt der Zeitreisenden

Es ist 01:50 als ich zum gefühlten 1000 Mal im „Arctic Circle Train“ aufwache, der gerade irgendwo in Schweden hält. Wir haben schon einige Stunden Zugfahrt vom Flughafen Stockholm Arlanda Richtung Norden hinter uns und nochmal so viele vor uns, bevor wir Nattavaara erreichen.

Die zwei Bier vom Abend melden sich, also wurschtel ich mich aus dem obersten der drei Betten im Abteil, dann in Hose und Schuhe, versuche dabei nicht meine Familie zu wecken und gehe mal zur Toilette.

Der Blick aus dem Fenster offenbart den Bahnhof von Umeå.

Ich versuche mich an einem Foto durch die spiegelnde Scheibe, und zwar genau 01:58 Uhr – siehe Screenshot:

Dann passiert es, ich reise in die Zukunft! In meinem Kopf vergehen zwei, in echt 58 Minuten!

Screenshot Nr2:

Als ich endlich richtig wach bin und das Hirn wieder funktioniert, wird mir klar, dass auch die Schweden noch immer an dieser dummen Zeitumstellung festhalten.

Doch wieder nichts mit Zeitreise…leise Enttäuschung macht sich breit, ich winke zu den Umeånern ein stummes „Adieu und bis bald“ und krabbele wieder in mein wackeliges Bett im sov vagn.

Wild Woman

Ein kleines Mädchen kommt zu mir aufs Papier…

Illustration, kolorierte zeichnung eines madchens mit blonden haaren, grünen federn im haar, kleid mit blumenmuster
Blumenkind, Illustration (03/2018)

Sie schaut etwas skeptisch in die Welt. Wahrscheinlich denkt sie noch nach über das, was vor sich gegangen war, als sie sich für die Geburtstagsfeier von Großtante Dorothee fertig machen sollte. Mama hat das gelbe Kleidchen mit Blumenmuster ausgesucht, ihr die Haare gekämmt… doch sie verweigerte die Zöpfe, die Mama ihr flechten wollte. Stattdessen bestand sie darauf, sich ihre grün gefärbten Federn in die Haare zu stecken, die sie im Wald gesammelt hatte. Wider der Kommentare von Eltern und Geburtstagsfeierverwandtschaft trägt sie diese mit Stolz.

Es ist Zeit vergangen, das kleine Mädchen zu einer Jugendlichen, fast schon jungen Frau herangewachsen. Noch weiß sie nicht so recht, was sie in der Welt erwartet.

Die grünen Federn hat sie durch etwas rote Farbe im Haar getauscht. Aber sie bewahrt sie noch in einem Erinnerungskästchen auf.

Illustration, zeichnung, Mädchen mit Zopf
Mädchen mit Zopf, Illustration (3/2018)

Manchmal, an Tagen, die tiefe Sehnsucht in ihr auslösen, holt sie das Kästchen hervor und schaut auf all die kleinen Erinnerungsstücke. Sie nimmt die Federn in die Hand und streicht sich damit über den Arm. Dann ist sie wieder das kleine Mädchen, das durch den Wald tanzt, das alle Tiere so lieb hat, auf der Wiese liegend nach Wolkenbildern schaut und unbekümmert jeden Tag nimmt, wie er kommt.

Das nun große Mädchen steht nackt an einem See und springt hinein. Das Wasser ist kühl und weich. Es fühlt sich so toll auf der Haut an, wenn sie hindurch gleitet.
Es riecht so frisch, macht den Kopf klar und tut gut, besonders an Sehnsuchtstagen.

Wild Woman, Portraitzeichnung, koloriert, Frau mit Bemalung im Gesicht, Frisur aus Blättern
Wild Woman, Illustration (3/2018)

Jahre sind vergangen. Das Mädchen ist erwachsener geworden, hat Unbekümmertheit durch Verpflichtungen und Routine ausgetauscht. Ihr Geist ist frei geblieben, voller Fantasie und Träume. Sie steht nun mitten in diesem, ihrem Leben und weiß, dass es keinen Sinn macht, sich von vermeintlichen Erwartungen leiten zu lassen. Sie schaut zurück auf das Mädchen, das sie gewesen ist und wünscht, sie könne ihr etwas mitgeben auf den Weg, der längst gegangen ist: mehr Mut, weniger Selbstzweifel, Vertrauen in die Welt und das Schicksal und vor allem sehr viel Liebe für sich selbst und alles Lebendige.

Sie holt die grünen Federn aus dem Erinnerungskästchen, befestigt sie in einem Traumfänger und hängt sie ins Fenster. Dann nimmt sie ein Bad, taucht mit dem Kopf unter und träumt sich zurück an den See ihrer Jugend.

Seltsame Gestalten

Gestalt mit Kuhhornhelm

Seltsame Wesen bahnen sich den Weg aufs Papier. Sie sind weder weiblich noch männlich, irgendwas zwischen Mensch und Fabelwesen. Vielleicht kommen sie aus einer verborgenen Welt oder es sind einfach Hirngespinste.

Der Wurzelmensch hier mit den Kuhhörnern hat etwas schamanisches. Sein drittes Auge schaut mich an, während der Geist der Figur nach innen gerichtet scheint. Meditation.

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Jetzt wird’s noch seltsamer. Ein Mädchenkopf im Weinglas. Ihre langen Haare in den Wein getunkt, teils hängen sie übers Glas hinaus. Oben wachsen Zweige aus ihrem Kopf.

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…to be continued