Blende 8 – die Sonne lacht

Beirette 35, Kamerafabrik Freital von 1988

Ein neues altes Spielzeug für das Ex-DDR-Kind in mir

Während um uns herum die Welt immer digitaler wird, erlebt das „Analoge“ in vielen Bereichen eine Renaissance, nicht zuletzt in der Fotografie.

Ich war und bleibe wohl immer nur Hobbyfotoschnappschussfabrikantin. Dafür war die Entwicklung der digitalen und inzwischen sehr guten Kamera von Mobiltelefonen genau das Richtige. Hätte ich doch als Jugendliche bereits solche Möglichkeiten gehabt!  Weiterlesen „Blende 8 – die Sonne lacht“

Alphabet mit Piepmätzen

Buchstaben, Lettering, Piepmatz-Illustration

Lettering – die moderne Version der Kalligrafie

Wie schön, dass Kalligrafie wieder so modern ist! Und es macht so Spaß. Nun habe ich mir im unendlichen Internet ein Alphabet herausgesucht, das mir sehr gut gefällt und es mit meinen Piepmätzen ergänzend aufgemalt.

Noch ist es nicht vollständig, wird es aber.

Wieder 11 Jahre alt sein

Für einen Tag wieder elf Jahre alt sein und mit dem besten Freund, der besten Freundin oder beiden nach der Schule verabreden, Abenteuer erleben und in der milden Frühsommersonne auf Bordsteinen sitzend übers Weltall philosophieren.

Bonbons lutschen, bis der Gaumen schmerzt, Eis essen, bis der Bauch weh tut. Fahrrad fahren, bis die Kette abspringt, glauben dass es kein altes Klapprad, sondern ein schickes Crossrad sei…

…zu Winterwanderungen aufbrechen und sich dabei gegenseitig Mut zureden, dass wir gemeinsam den Heimweg schaffen.

Kind auf Schneewehe am Straßenrand, altes schwarz-weiß Foto

Wer schafft die weitesten Sprünge über den Hügel?

Die Knie aufgeschlagen, die kurze Jeans zerrissen vom über Zäune klettern, der Mund verschmiert, die Finger schmutzig, die Haare zerzaust, sausen wir die Bergstraße hinab. Du, mein bester Kumpel, hast sogar einen Tacho am Fahrrad und brüllst mir laut unsere Wahnsinnsraketengeschwindikeit zu, während mein Fahrrad anfängt zu vibrieren. Toll fühlt es sich an, wir sind unverwundbar, unsterblich!

Zum Glück ist der Verkehr nicht mit dem von heute zu vergleichen. Kein Helm schützt unsere Köpfe.

Noch einmal möchte ich mit dir auf der Trauerweide sitzen, die uns so schön hinter ihrer Langhaarfrisur verbirgt und mit selbstgebastelten Erbsenspuckrohren auf den Briefkasten schießen.

Laut kichernd möchte ich Limo mit dir trinken, bis sie uns zur Nase heraus kommt. Einmal mehr versuchen ein Floß zu bauen, mit dem wir die Weltmeere befahren, was die kleinen Ententeiche für uns sind.

Mein bester Kumpel, ich vermisse dich oft seit dieser Zeit.

Die beginnende Pubertät trennte uns. Dann zog ich weg und fand nie wieder vergleichbare Freundschaften wie mit dir und der besten Freundin aus Kindertagen. Ihr seid bis heute ganz tief in meinem Herzen eingebrannt.

Unsere Zeit war so wertvoll und schön. Das wohlige, geborgene Gefühl von damals vermisse ich viel zu oft.

Jetzt ist mein jüngstes Kind selbst in dem Alter. Mein Sohn fährt genauso Fahrrad wie wir damals, wenn auch immerhin mit Helm. Die Lebenszeit rennt. Ich möchte ihm zurufen: „Bleib noch ein wenig länger Kind!“

Nussschale

Blick vom Flugzeugsitz auf den Klapptisch vor mir mit Taschenbuch "Nussschale" von Ian McEwan

Ein Baby im Mutterleib, das bereits gebildeter ist als so mancher Erwachsene? Beziehungsverstrickungen, menschliche Abgründe, Alkoholexzesse und sogar ein geplanter Mord…

Am Flughafen Frankfurt entdeckte ich dieses Buch von Ian McEwan. Perfekte Urlaubslektüre für die Woche in Lappland.

Aus der Sicht des Ungeborenen wird hier eine höchst seltsame Geschichte erzählt, die von Liebe, Hass, Wissen und dem Leben handelt. Die Vorstellung, das Baby könne bereits in solch ausdrucksstarker, unverblümter Sprache denken, welche die Geschehnisse in farbigen und bis ins Detail ausgeschmückten Bildern präsentiert, ist so wunderbar und absurd gleichzeitig, auch wenn es mich an manchen Stellen etwas zweifeln lässt.

Was wäre, wenn das Kind im Mutterleib tatsächlich so viel mehr von der Welt verstünde, als die Wissenschaft bisher annimmt? Wir glauben ja heutzutage viel darüber zu wissen. Babys werden vor der Geburt bereits gezielt „gefördert“, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Wir beschallen sie mit Mozart, lesen ihnen Bücher vor, singen oder halten Spieluhren an den mütterlichen Bauch, nehmen Kontakt über Streicheleinheiten auf, etc..

Nicht so im Buch! Hier wird der kleine Mensch leider Zeuge von Ablehnung, erfährt die Auswirkungen von Alkohol und muss sich mit Tatsachen auseinandersetzen, die man keinem Ungeborenen wünscht. Er beeinflusst die Geschehnisse durch gezielte Tritte gegen den Bauch der Mutter und leitet am Ende seine Geburt selbst ein (gar nicht so unwirklich). Den Mord kann er nicht verhindern, aber dass die Täter ungestraft davon kommen.

Also, aufgepasst, liebe werdende Eltern: Plant ihr eine Straftat, so könnte euer Kind ein ernstzunehmender Zeuge werden.

Mein Fazit: Sehr unterhaltsame Lektüre, in der Schwangerschaft nur bedingt zu empfehlen 😉