Ich weiß jetzt, wie Wolken schmecken. Und Kurven.

Nass schmecken sie und manchmal etwas nach Schwefel, je nachdem, ob man sich gerade in der Nähe einer vulkanischen Quelle befindet.

In Furnas schmeckt alles leicht schwefelig oder sehr nach Eisen.

Tag zwei und drei unserer Reise sind geprägt von tief hängenden Wolken, Baden in Thermalquellen und Kurven! Noch nie bin ich so oft und so lange im dritten Gang gefahren wie hier, erst recht, wenn sehr zaghafte andere Touristen ihren eigenen Fahrkünsten oder Mietwagen in dieser von Kurven und engen Straßen geprägten Gegend nicht trauen.

Der kleine Nissan zeigt dauernd an, ich solle hoch schalten, nur um direkt im Anschluss wieder auf Runterschalten zu pochen. Diese Anzeige, Drehzahlmesser, Tacho, Motorengeräusch und mein Fahrgefühl kommen kaum in Einklang. Irgendwas stimmt hier nicht.

Gestern waren wir ohne Kind etwas „wandern“ (eher ein ausgedehnter Spaziergang) und heute zu Dritt hauptsächlich per Auto unterwegs.

Immer wieder sehr beeindruckend ist der aus dem 18. Jh. stammende Parque Terra Nostra in Furnas, wo man im eisenhaltigen Thermalbecken vor sich hin dümpeln kann.

Der Park wurde seit seiner Entstehung von ursprünglich 2 auf 12,5 ha erweitert und mit Hilfe diverser britischer Gartenexperten gepflegt. Er beherbergt neben endemischen viele aus aller Welt stammende Pflanzen, darunter einige „Saurier“ wie Baumfarne, die es mir echt angetan haben. Ein Besuch hier ist wie eine Zeitreise, nicht nur wegen der Pflanzen, auch wegen der alten Gemäuer und ihrer Geschichte.

Morgen früh 8:00 Uhr geht’s für uns per Kleinflieger (Dash 8-200) zur Insel Pico. Mal sehen, ob die Wolken uns folgen und ob wir den gleichnamigen Berg überhaupt zu Sehen bekommen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie die Azorees Silvester feiern!

Ich bin wieder hier

Luft! Meer! Natur! Ruhe!

Blick hinab zu Sete Cidades

Ich stehe mit Mann und Sohn am Miradouro Vista do Rei und schaue hinab nach Sete Cidades, zu den beiden Seen des Vulkankraters, den ich vor 11 Monaten zu Fuß umrundet hatte. Etwas ist anders: Mehr Touristen sind unterwegs, der Aussichtspunkt ist neu angelegt, das Wetter ist nicht ganz so schön wie letztes Mal.

Wir schauen uns die Bauruine des Hotels an, danach fahre ich zum Lagoa do Canario, von wo aus wir den bequemen, sehr schönen Weg zum Aussichtspunkt Miradouro da Boca do Inferno gehen. Leider brechen heute die Wolken nicht auf und der Blick in den Krater bleibt von hier verborgen.

Dann fahren wir hinab in den Krater, halten kurz und weiter geht’s auf die andere Seite.

Kurzes Picknick am Meer auf den Lavafelsen bei Mosteiros und Weiterfahrt über den Nordwesten zurück nach Ponta Delgada.

The clouds will clear

27.12., 12:25 Uhr

Raus aus Frankfurt, ab durch eine dichte Wolkendecke, rein in die Sonne…. ab nach Südwesten. Über Lissabon ein paar Wolkenlücken, aber erst darunter im Anflug richtige Sicht auf die Stadt.

Anflug auf Lissabon

Blick auf Lissabon vom Flugzeug

Warten. Flugverspätung. Sitzen.

Zufällig am richtigen Gate, dann Bus zum Ersatzflugzeug, eine gefühlte Ewigkeit eng zusammen gepfercht im Bus am Flieger stehen, Busfahrer darf die Tür noch nicht öffnen, Scheiben beschlagen, ein Baby schreit.

Dann endlich weiter, Tap Flug 1863 nach Ponta Delgada, wieder ab durch die Wolkendecke, oben dann Blick auf die schon tief stehende Nachmittagssonne.

Blick aus Flugzeug über Wolkendecke bei Sonnenuntergang

Nach zwei Stunden Anflug auf São Miguel. Wolken, Sonnenuntergang.

Ankunft 18 Uhr Ortszeit (2 Stunden hinter deutscher Zeit) auf Saõ Miguel.

Hier bin ich also wieder!

Jahresende, Jahresübergang

Arbeiten, Laufen, Weihnachtsgeschenke, Laufen, Weihnachtsmarkt, Arbeiten, kaputtes Internet, stundenlange Telefonate mit hotlines, Warteschleifen…

Nun sitze ich hier, höre Morow Webradio (Progressive Rock), trinke castillanischen Tempranillo von 2017 und bin in Gedanken ganz woanders.
Nur noch die Weihnachtstage durchhalten und dann ab in den Flieger über Lissabon nach Ponta Delgada, zurück auf die Azoren-Inseln im Atlantik, die mich bereits zu Beginn des Jahres verzauberten…

Mit Mann und Sohn werde ich dieses Mal gleich zwei Wochen dort verbringen und drei der neun Azoren-Inseln besuchen, die mehr als 1300 km westlich vom europäischen Festland entfernt mitten im Atlantik liegen.

Ich freue mich auf 18 Grad und viel Wetter, egal ob Regen oder Sonne, es wird von allem etwas geben. Und Meer, ja Meer!!! Mehr als genug und das jeden Tag. Ich will da einfach sitzen und aufs Meer schauen, es riechen und hören. Freue mich auf ein ruhiges Silvester und meinen ebenso ruhigen 42. Geburtstag. Auf dass die 42 nicht nur mein Alter im Jahr 2019 kennzeichnet, denn ich habe noch mehr vor, was mit dieser Zahl zu tun hat.

O-weh-LAN

Ist Punk tot, wenn man Montagmorgen um 5:30 Uhr neben dem Netzwerk-Router sitzt, sich nicht mehr an das Passwort für dessen Benutzeroberfläche erinnert und das Gerät schließlich auf Werkseinstellungen zurück setzt?

Schon irgendwie. Es ist der Rock’n’Roll einer geplagten Teenager-Mutter, die sich so kurz vor dem verdienten Weihnachtsurlaub doch noch mal eben der Optimierung des Heimnetzwerkes annimmt – stundenlanges Warteschleifewarten und Telefonieren mit dem Support des Internetanbieters bereits eingeschlossen.

Die Zeit rennt für uns Eltern! Vor ein paar Tagen fand ich einen alten Ordner mit vergilbten Unterlagen unserer ersten Internet-Verträge vom Anfang dieses Jahrtausends, als 1&1 noch Puretec hieß und man ohne ISDN nicht gleichzeitig telefonieren und ins Internet konnte – für 2,48 Pfennige pro Minute.

Welch Luxus unsere Kinder dagegen für eine Selbstverständlichkeit halten und laut fluchen, wenn das zugegebener Maßen recht störungsanfällige W-LAN rum zickt… So ändern sich menschliche Grundbedürfnisse schneller als die Evolution gucken kann!

Advent Advent

Es ist Samstag. Nach einem schönen 27km-Lauf über Berge bei ungemütlicher Kälte mit anschließender Badewannenzeit kommt eine Freundin zu Besuch, es gibt Kaffee, selbst gemachte Weihnachtskekse, Gemütlichkeit und drei von vier Kerzen brennen. Ja, ich habe schon die dritte Kerze angezündet, obwohl noch nicht Sonntag und somit der dritte Advent ist, ich heidnische Rebellin!

Mein Zwölfjähriger weist mich sofort darauf hin, dass das Unglück nun unaufhaltsam näher rückt. Doch nach all den nicht weiter gesendeten WhatsApp Kettenbriefen kann mich das nicht mehr schocken.

Also gehen wir gelassen zum Weihnachtsmarkt um den hiesigen, inzwischen berühmt-berüchtigten Punsch zu trinken und interessante Marktstände zu entdecken.

Abends mache ich Karotten-Süßkartoffel-Suppe, dazu ein von der Sechzehnjährigen gezauberter Rote-Beete-Salat.

Süßkartoffelsuppe

Tja nun, wir haben diesen Adventssamstag relativ unspektakulär überlebt, ganz ohne Unglück!

Belanglos, nicht wahr!?!

Macht bei der Fülle an Belanglosigkeiten im Netz sicher keinem was aus…

Vor-Sorge, was zum…

Ein Dezembermorgen auf dem Weg zum Zahnarzt. Gerade noch rechtzeitig vor Jahresende hatte ich einen Termin zur Vorsorge* vereinbart um das Bonusheft lückenfrei zu halten.

Wer hat sich diesen Mist eigentlich ausgedacht? Als ob die Krankenkasse anhand der Abrechnung nicht sowieso sehen kann, wie oft ich meine Vorsorge beanspruche und als ob die Häufigkeit etwas über meinen Zahnpflegestatus aussagt…

Mir wurde bereits einmal ein Zuschuss verwehrt, weil ich tatsächlich in einem Kalenderjahr nicht beim Zahnarzt gewesen bin. Dabei spielte es keine Rolle, ob ich kurz davor oder danach dort war, auch auf freundliche, schriftliche Nachfrage keine Kulanz. Ganz armselig und demütigend empfand ich diese Reaktion.

Dabei bescheinigt mir seit Jahren jeder Zahnarzt, dass ich meine Zähne vorbildlich pflege. Zahnersatz benötigte ich in Form einer Krone bisher „nur“ aufgrund eines Unfalls, den ich leider mangels Wissen (als Teenager) nicht zur Anzeige brachte, wodurch mir die Kosten hätten erspart bleiben können.

*VORSORGE, Vor-Sorgen, sich vorher schon Sorgen machen – bitte?

Gemecker Ende.

30 km bis Freddie

Laufaussicht, Feldweg, Regenwetter
Hochspannungsleitungen über Feldweg bei grauem Regenwetter

Sonntag ist Lauftag, zumindest die letzten und nächsten Wochen, weil ich mal wieder einen Trainingsplan habe. Irgendwann soll der dritte Marathon Wirklichkeit werden! Also lief ich gestern, trotz Regenschauern und Windböen am späten Vormittag los und lief und lief und lief…. Begleitet wurde ich von meiner Lieblingsmusik, einer Flasche Wasser mit Zitrone und Salz und drei Datteln.
Dieses ganze Läuferdurchhalteelektrolytzuckerriegelgelzeug ist nicht so mein Ding, oder ich habe noch nicht das Richtige für meinen Geschmack gefunden. Deshalb Datteln. Alles drin, was der Körper braucht und lecker.

Klatschnass wurde ich, auch dank der riesigen Pfützen, die sich mir auf den umliegenden Feldwegen in den Weg legten und natürlich wegen des Regens, den der Wind schön „waschanlagenmäßig“ von der Seite her wehte. So lief ich also von einem Stadtteil zum anderen, über die Feldwege zwischen Bad Homburg, Oberursel und dem Nordzipfel Frankfurts eine Strecke, die auf der Karte fast schon etwas an eine Afrika-Silhouette erinnert. Am Ende drehte ich noch zwei Runden um den Teich in unserem Schlosspark und kam gleich dreimal an denselben Gänsen vorbei, die mich etwas entgeistert anschauten 😉
28 Kilometer standen auf dem Plan, etwas über 30 wurden es an diesem Sonntag und mit 65,5 km die trainingsintensivste Woche seit Anfang des Jahres.

Zur Belohnung gab es am Nachmittag ein echtes Highlight: BOHEMIAN RHAPSODY – der QUEEN-Film! Von Anfang bis Ende ist es mehr als nur ein biografischer Film, gespickt mit vielen Gänsehaut- und Musikmomenten. Die schauspielerische Besetzung ist richtig gelungen (was für eine Herausforderung!). Sie spielten sich so sehr in mein Herz, dass ich stellenweise vergaß, dass es sich nicht um die echte Band handelte. Ich hatte im Vorfeld bereits einige Kommentare zum Film gelesen, die nicht so toll waren und kann die Kritik keinesfalls nachvollziehen. Ich war völlig hin und weg und wieder einmal etwas traurig, QUEEN nie live erlebt zu haben. Dank des Films war ich gefühlt dabei, als sie in Wembley bei LIVE AID auftraten, womit der Film allerdings endet und somit den Rest von Freddies Leben etwas unterschlägt. Dafür bekommt man einen guten Eindruck von den Anfängen der Band und den wichtigsten Beziehungen Mercurys.

Wer QUEEN mag, sollte diesen Film nicht verpassen.

Kreativblockade vom Feinsten

Malerei, Landschaft, Bäume, Vögel

Ich will malen. Ich will kritzeln, will eintauchen in Farben, Formen und meine kleine Welt der fantastischen Wesen.

Doch es geht nicht. Entweder ist die Zeit dafür so begrenzt, dass es sich nicht lohnt, die Malsachen überhaupt rauszuholen oder ich sitze da, kritzele so herum und nichts kommt dabei heraus. Zu viel Ablenkung, zu viel im Kopf, das erledigt werden muss. Dabei liebe ich den Prozess des Schaffens, liebe es, wenn mich plötzlich ein Gesicht aus dem Papier anschaut oder ich in ein Bild eintauchen kann. Zuletzt hatte ich das im Sommer mal für kurze Zeit. Normalerweise ist der Winter genau die Zeit, in der ich mich zurück ziehe, gute Musik im Ohr und einfach drauf los mache.

Tja, mal wieder zu viel Alltag im Weg?!