Hummelhintern vs „Hummeln im Hintern“

Vor ein paar Tagen fand ich in dieser Hitze ein geschwächtes Hummelchen auf unserer Terrasse. Zuerst bot ich ihr einen Tropfen Wasser an, dann kletterte sie auf meine Hand. Ich brachte sie zum Lavendel, wo die Hummel sofort ihren Rüssel in die kleinen Blüten schob und gierig saugte. Sie konnte nicht mal mehr von einem Blütenstängel zum nächsten fliegen, sondern kletterte darauf herum. So nach und nach kam sie wieder zu Kräften und ich beobachtete sie eine ganze Weile 🙂

Nun hatte ich eine Woche Urlaub und war gar nicht weg. Dabei hatte ich förmlich „Hummeln im Hintern“ und wollte unbedingt noch mal weg fahren – alleine. Doch die große Hitze und Gedanken an überfüllte Orte überall lähmten Körper, Geist und Kreativität.

Inzwischen hat es etwas abgekühlt (von fast 40 auf angenehme 26°C) und wenig Regen hat alles einmal angefeuchtet, also viel zu wenig. Die Trockenheit ist im Wald besonders sichtbar. Er stirbt erschreckend vor sich hin. Bäume werfen obere Äste ab und noch dazu ist es gruselig still. Wo sind die Vögel? Auch unsere Gartenvögel singen im Moment nicht.

Via Franz Kafka

Als ich heute morgen erwachte, fühlte sich alles ganz normal an, bis auf den 12jährigen, der neben mir im VW Bus im Schlaf etwas grunzte und mich mit dem Ellbogen in die Seite knuffte. Wie groß mein Sohn geworden ist – wo ist nur die Zeit geblieben?

Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz in Glurns/Südtirol, auf dem Weg zum Gardasee. Während Mann und Tochter mit Fahrrädern gerade ihre vorletzte Etappe auf dem Alpe-Adria-Radwanderweg in Angriff nahmen, kochte ich erst mal Kaffee im Espressokocher auf der so schön vom Mann zurecht gebastelten Küchenbox.

Dann auf nach Riva! Die Fahrt dauerte etwa 2,5 Stunden, trotz voller Straßen stets im Fluss, wahrscheinlich gerade aufgrund der Geschwindigkeitsbeschränkungen (liebes Deutschland, nimm dir endlich ein Beispiel!). In Riva checkten wir ein im schönen Hotel Bellariva in der Via Franz Kafka mit nebenan gelegenem Appartementhaus und eigenem Parkplatz (sehr komfortabel, da es hier alles etwas beengt ist).

Unser Appartement im vierten Stock hat See- und Bergblick nach Westen, einfach wunderbar.

Wenn sich jetzt noch endlich die vielen einzelnen Gewitter verziehen würden, könnte ich endlich im See schwimmen gehen!

Morgen erwartet uns eine 3,5-stündige Fahrt nach Grado, wo wir unsere radelnde Familienhälfte nach einer Woche hoffentlich wohl behalten wiedersehen und abholen werden.

Vielleicht können wir unterwegs sogar einen Blick nach Venedig erhaschen.

Ich hoffe sehr, dass Franz Kafka mich morgen unverwandelt aufwachen lässt…