Ultra Interval Challenge

Heute vor einer Woche lief ich Tag und Nacht 80 Kilometer in Intervallen, also in 8 Abschnitten. Eine nette Idee von ein paar verrückten Schweden, das Training für Ultraläufer auf diese Weise interessanter zu gestalten… jedenfalls eine echt harte Herausforderung! Besonders in den frühen Morgenstunden zog der Schweinehund ganz schön an mir, doch ich war stärker und startete nach dem ersten Lauf um 00:01 und kurzer Schlafpause um kurz vor 3 Uhr nachts zum zweiten Mal auf einer 10-km-Strecke, begleitet von meinem Mann, der zumindest einen Teil der 80 km mitlaufen wollte. Härter war das dritte Intervall um kurz vor 6 Uhr – da nicht einfach den Wecker zu ignorieren und alles hinzuschmeißen war echt schwer.

So ging es dann weiter – ca. alle drei Stunden ein Intervall.

Die zweite Hälfte der Intervalle überzog ich bei der Streckenlänge immer etwas, um ein wenig Puffer für den Schluss zu lassen und das letzte Stück möglichst kurz zu halten. Das war auch gut, denn die zuletzt verbliebene abendliche 5km-Runde war kaum noch zu schaffen. Während Thomas ein paar Intervalle auf dem Mountainbike hinter sich brachte, begleitete er mich auf dem letzten, während ich am ganzen Körper schlotterte und nur noch vor mich hin schlurfte.

Zurück zu Hause wärmte ich mich erst mal in der heißen Badewanne und hatte dann HUNGER!

Das Gefühl, in 24h die 80km (reine Laufzeit betrug 7:47h) gelaufen zu sein ähnelte etwas einem Marathon, trotz der Pausen dazwischen.

Die Tage darauf verbrachte ich mit Ultra-Relaxing, etwas Yoga und der Faszienrolle und schwups – kein Muskelkater!

Gestern kam dann auch noch das bestellte Shirt zur Challenge, welches ich jetzt voller Stolz als mein Finisher-Shirt trage 🙂

– ABGESAGT –

Gestern war eine meiner Aufgaben, in diversen Veranstaltungskalendern und Social Media Kanälen die Veranstaltungen meines Arbeitgebers abzusagen – bis Mitte April keine Kultur mehr in der Stadt!

Heute musste ich mich nun selbst schweren Herzens entscheiden, ob ich meine Wochenendreise nach Dresden antreten oder stornieren will. Nach stündlicher Prüfung der Buchungsseiten und Medienberichten entschied ich mich gegen die Reise.

Schade. So langsam legen die behördlich angeordneten Vorsichtsmaßnahmen wegen der sich ausbreitenden Corona-Virus-Epidemie das öffentliche Leben lahm.

Ein Bundesland nach dem anderen schließt seine Schulen. Im ganzen Land wurden erste Groß- und schließlich nach und nach alle Veranstaltungen abgesagt.

Die Deutsche Bahn nimmt inzwischen anstandslos auch nicht stornierbare Tickets ihrer Kunden zurück.

Also werde ich das Wochenende zuhause verbringen, statt mir Dresden anzuschauen, werde weiter auf heimischen Pfaden laufen statt an der Elbe und beim ebenfalls abgesagten Dresdner Stadtlauf und mir überlegen, wie ich das jüngere Kind die nächsten Wochen sinnvoll beschäftigen kann.

Wir steuern also auf einen Shutdown zu und können schon mal für die Apokalypse üben. Aber immerhin mit Sekt im Kühlschrank und Wein im Keller. Prost!

Ja, ich will!

Graffiti in Barcelona

Wie vor einem Jahr wünsche mir, dass Tage wie der heutige nicht mehr nötig sind, dass endlich verstanden wird, wie wichtig Feminismus für Alle ist, dass kein Mensch mehr Angst vor Übergriffen haben muss, dass Menschen aufhören, sich über andere zu stellen, dass Chancengleichheit und gegenseitiger Respekt Normalität sind, dass wir uns helfen und ermutigen, die Schönheit, Kreativität, das Potential in jedem Menschen zu sehen… ach und so viel mehr!

Wir sind noch so weit weg von dem, wie wir leben könnten, sodass es uns allen besser ginge.

Wenn ich an die Kinder in aller Welt denke, die in ihrer Entwicklung gebremst werden, die nicht so sein dürfen, wie sie wollen, die zu Menschen erzogen werden, die andere in ihnen sehen wollen, denen weh getan wird, die missbraucht und getötet werden, kann ich nur Schmerz und Wut fühlen und mich wundern, warum sich nicht endlich viel mehr Menschen viel lauter dagegen stellen.

Bin ich eigentlich gerechter aufgewachsen? Hatte ich als Mädchen das Gefühl, alles so tun und lassen zu können wie Jungs? Nein! Auch dort gab es Ungerechtigkeiten, wurden Unterschiede gemacht, die ich nicht verstand. Um nur ein winziges Beispiel zu nennen: Unterricht in „Nadelarbeit“ (also Handarbeit wie Nähen, Stricken, Häkeln) war für Jungs ab der 5. Klasse freiwillig, für Mädchen weiterhin Pflicht. Meine Reaktion darauf war Trotz. Ich boykottierte den Unterricht, weigerte mich, richtig mitzumachen und erntete als Reaktion natürlich kein Verständnis, sondern nur Tadel und schlechte Benotung. Wäre es für alle Pflicht oder freiwilliger Unterricht gewesen, hätte ich vielleicht Spaß daran gehabt.

Noch ein Beispiel aus der eigenen Familie: mein Bruder bekam andere Dinge zu Weihnachten/Geburtstag als ich – nicht, weil er sie sich wünschte, sondern weil angenommen wurde, das sei eben für Jungs und nicht für Mädchen.
Ich hörte Sprüche wie „benimm dich wie eine junge Dame“, „sitz nicht so rüpelhaft da“, „gehe anständig und nicht so jungenhaft“, „schrei nicht so laut“, „zieh bitte ein Kleid/Rock an zum Spazierengehen“ (sonntags – ich hasste es!), …

Mir würde noch viel mehr einfallen – je älter ich wurde, desto öfter kam ich mit diesen Ungerechtigkeiten in Kontakt. Natürlich könnte man das herunterspielen und denken, das seien Lappalien im Vergleich zu dem, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Doch wie sehr auch wir hier in den sog. entwickelten Ländern im Patriarchat gefangen sind (Männer wie Frauen!), muss man erst mal verstehen. Wir haben das noch lange nicht überwunden, es zeigt sich nur viel subtiler.

Einige Zeit glaubte ich sogar, wir brauchen doch keinen Feminismus mehr, es sei doch schon alles auf einem guten Weg, ich wolle keine Feministin sein, mich schließlich nicht bei Männern unbeliebt machen (!). Und schwups, war ich mitten drin gefangen und eingenommen vom patriarchalischen System, in dem selbst Frauen sich so verhalten, dass sie das System aufrecht erhalten.

Zum Glück (oder Fluch?) begann ich irgendwann wieder zu merken, was in der Welt los ist, las entsprechende Literatur („Wüstenblume“ von Waris Dirie als Einstieg war ein Schock für mich) und fühlte wieder, dass wir einiges ändern müssen.

Darum sage ich heute „Ja, ich will!“ und nicht „ich möchte“ oder „ich will das nicht“, lasse mich nicht mehr ausbremsen und werde – wenn nötig – laut für Andere!

Ich will selbst über meinen Körper entscheiden, will, dass jedes Kind unabhängig vom Geschlecht entscheiden kann, was es anziehen, womit es spielen, in welche Rolle es schlüpfen mag. Lasst sie sich ausprobieren, statt sie in Schablonen zu pressen.