Alles neu macht die Mayla

Schon seit der herzallerliebste Schäferhund meines Opas verstarb (ich war damals 6 Jahre jung und es war nicht der letzte Hund des Opas) war mir klar, dass ich irgendwann einen eigenen Hund haben werde.

Autorin als baby im heu sitzend mit  Schäferhund
1977 als Baby mit Opas Schäfi im Heuhaufen

Dass es allerdings dann noch 37 Jahre dauern sollte, hätte ich nicht gedacht. Nun bin ich im Leben zwar schon zweimal „ungeplant“ Mutter geworden, doch die Entscheidung zu diesem (Adoptiv-)Kind mit vier Beinen habe ich mir nicht leicht gemacht. Seit Jahren jammerten die Kinder „Aaaaaalle haben einen Hund, warum nicht wir?“ und insgeheim wünschte ich mir für uns als Familie so sehr auch einen, doch irgendwie passte unsere Lebensweise nie so, dass wir einem Hund hätten gerecht werden können. Dann kam Corona und damit viel Zeit zum Nachdenken. Das Tochterkind wurde in dieser Zeit volljährig, erklärte sich bereit, uns zu unterstützen, weitere Reisen sind vorerst nicht geplant, wenn also Hund, warum dann nicht jetzt?
Also schickte ich endlich den Interessenten-Bogen einer von mir schon länger beobachteten Tierschutz-Organisation, die Hunde aus rumänischen Tierheimen vermittelt, weg. Natürlich hatte ich mich auch hier vor Ort nach Tierheimhunden umgesehen, doch irgendwie war da nie der potentielle Herzenshund dabei.
So ließen wir das Schicksal entscheiden, hatten unser Vorgespräch mit einem Vertreter der Organisation und bekamen das Okay zu einer Vermittlung. Wie lange sich das daraufhin hinziehen sollte, wussten wir nicht.
Ich hatte aus der Galerie auf der Webseite einen Wunschhund und einen „Zweitwunsch“ auf dem Bogen angegeben. Beide waren allerdings schon vermittelt und durften Ende Mai nach Deutschland ausreisen. Mit unserer Vermittlerin wurde ausgemacht, dass wir als Ersthundebesitzer wohl besser einen Hund von einer Pflegestelle nehmen sollten, was in meinen Augen wirklich schlauer ist, weil der Hund dann schon in Deutschland ist und bereits etwas Sozialisation erfährt, man ihn vor der Entscheidung besuchen kann und immer Ansprechpartner hat, die den Hund kennen. So die Idealvorstellung.

Dann ging alles plötzlich sehr schnell. Ich bekam innerhalb weniger Tage einen Anruf der Vermittlerin, dass mein „Zweitwunschhund“ von seinen eigentlichen Adoptanten wieder abgegeben werden soll, da die Hündin sehr viel größer sei als in der Beschreibung. Konnte keiner verstehen, aber wenn Leute schon so komische Argumente liefern, ist es wohl besser, den Hund dort wieder weg zu holen. So wurde ich gefragt, ob ich sie nehmen würde und überlegte gar nicht lang. Das Herz entschied und schob die Vernunft beiseite.

Also machte ich mich am darauffolgenden Wochenende mit beiden Kindern, dem Freund der Tochter, einer geliehenen Transportbox und einer Tube Leberwurst auf den Weg. Wir hatten einen Treffpunkt „in der Mitte“ unserer Wohnorte ausgemacht, was für uns 1,5 h Autofahrt pro Strecke bedeutete. Die Vorbesitzer und wir waren jeweils schon weit vor der vereinbarten Zeit vor Ort, Papiere und Hund wurden übergeben, der Hund von dem Mann des Pärchens als „Vorsicht, sie ist aggressiv!“ beschrieben, alles Gute gewünscht und die Leute waren schneller weg, als wir gucken konnten.

Zuhause angekommen, traute sich unsere Mayla recht bald aus der Box und begutachtete das Wohnzimmer. Als sie durch die bodentiefen Fenster den Garten entdeckte, versuchte sie mit allen Mitteln, raus zu kommen. War gar nicht so leicht, sie zu beruhigen.

Ach, und der ja-viel-zu-große-Hund stellte sich als genau so groß dar, wie von der Organisation beschrieben und kam uns plötzlich so klein vor 😉

Allein das brachte viele Zweifel in mir auf, ob vielleicht andere Gründe hinter der Abneigung der Vorbesitzer steckten. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie die Hündin zwar erst wieder loswerden, dann aber doch behalten wollten, aber die Organisation logischerweise kein „Hin und Her“ für den Hund akzeptierte.

Soweit der Beginn mit unserem Familienzuwachs. Das ist jetzt 6 Wochen her und es hat sich enorm viel getan. Anfängliche Schwierigkeiten mit tatsächlich aggressivem Verhalten der Hündin gegenüber meinem Mann und Sohn, die dazu führten, dass auch wir vor der Entscheidung standen, sie wieder abzugeben, sind so gut wie überwunden. Wir hatten keine leichte Zeit, ein sehr spezielles Erlebnis mit einem sogenannten Hundetrainer, der das Ganze noch eskalieren ließ und haben uns trotz dem für die Hündin und einen gemeinsamen Weg entschieden.

Momentan bin ich mit ihr alleine, Mann und Sohn machen eine gemeinsame Fahrrad-Alpenüberquerung und wichtige Vater-Sohn-Zeit, Tochter ist – wie fast nur noch – bei ihrem Freund.

Die Überraschungen, die so ein Tier mit sich bringt, sind täglich neu und nicht immer schön. Doch dann gibt es auch die tollen Momente. Gestern nahm ich Mayla zum ersten Mal mit zur Laufgruppe, wo eine weitere Hündin anwesend war. Wir hatten uns natürlich vorher abgesprochen. Es lief erstaunlich gut, also Mayla lief wie ein kleiner Husky, übermotiviert von der Anwesenheit der größeren Hündin. Anschließend ließen wir sie sich kennenlernen, was sehr positiv verlief. Hund glücklich, dass sie endlich mal Kontakt zu einem anderen Hund haben durfte und ich glücklich, weil ich es kaum aushalte, sie immer von so vielem fern halten zu müssen, was Spaß macht.

Nun lernen wir weiter unser Zusammenleben und den Alltag zu meistern. Mein Laufpensum ist zwar sehr eingeschränkt, aber durch die vielen Spaziergänge habe ich sogar mehr Bewegung als sonst.

Hund an Joggingleine von oben
Mayla und ich unterwegs auf Taunustrails