Camino del Norte Teil 7 / Santander & Miró

Santander Promenade, Sitzende Figur

Dienstag, 22. Mai 2018 / letzter Tag in Santander?

Der eigentlich letzte Tag meiner Reise, denn für heute Abend ist der Heimflug geplant.

Ich starte mit einem 6 km Lauf am Strand, barfuß, was mir meine ersten Blasen an den Zehen beschert… Weiterlesen „Camino del Norte Teil 7 / Santander & Miró“

Camino del Norte Teil 6 / Verliebt in Spaniens Nordküste

Montag, 21. Mai 2018 / von Guëmes nach Santander

(26,5 km , GPS Route)

Der neue Tag begrüßt uns Pilger an diesem Morgen mit einem besonders schönen Sonnenaufgang über nebelbedeckter Hügellandschaft. In dieser grandiosen Stimmung beginnt meine vorerst letzte Etappe.

Sonnenaufgang in Guëmes Weiterlesen „Camino del Norte Teil 6 / Verliebt in Spaniens Nordküste“

Camino del Norte Teil 5 / ERNESTO!

Sonntag, 20. Mai 2018 / von Noja nach Guëmes zu Ernesto (15,7 km, GPS Route)

Ohne Frühstück (das 7,50 € gekostet und erst ab 9 Uhr verfügbar gewesen wäre) verlasse ich Noja, vorbei an schlafenden Hunden und staunenden Dromedaren. Der Weg wird irgendwann wieder „wilder“ und führt vorbei an einem Naturerlebnispfad, auf den ich Weiterlesen „Camino del Norte Teil 5 / ERNESTO!“

Camino del Norte Teil 4 / „strand, strander, am strandesten“

Samstag, 19. Mai 2018 / Hazas – Noja (21,5 km, GPS Route)

Ein Hoch auf Ohrstöpsel! Wie sollte man sonst die Nächte in Pilgerherbergen überstehen? Als ich mir meine am Morgen aus den Ohren pule, staune ich nicht schlecht, wieviel Lärm manch schnarchender Pilger von sich gibt.

Dann folgt die tägliche Routine: Rucksack packen, kleines Frühstück (dieses Mal das selbst eingekaufte), Füße eincremen, Schuhe schnüren und los. Der Weg ist zwar ausgeschildert, ergibt aber zuerst keinen Sinn, denn er führt zurück zur Straße nahe der Herberge. Egal, das wird nicht der einzige Umweg bleiben. Ich hatte mir den Nordküstenweg u.a. ausgesucht, weil ich „hügelige“ Landschaft mag. Trotz dem wirken manche Abschnitte fast wie eine kleine Schikane, wenn man an einer Kreuzung steht, auf Google Maps den ausgeschilderten Pilgerweg mit den örtlichen Gegebenheiten vergleicht und sieht, dass ersterer in ein tiefes Tal und kurz danach wieder hoch an die Straße gegenüber führt. Da ist die Verlockung groß, einfach der Straße zu folgen. Doch irgend einen Sinn muss es ja haben, dass die gelben Pfeile woanders hin zeigen. Also gehe ich brav hinab und bereue es nicht, auch wenn es wieder mal schweißtreibend wird. Pferd am Wegesrand

Der Weg ist so viel schöner als die Straße und bietet kleine Überraschungen und Entdeckungen, die den Umweg rechtfertigen. Ich begegne einem wunderschönen Pferdchen, das „einhorngleich“ im Morgenlicht hinter einem Baum stehend zu mir schaut. Dann treffe ich niedliche Katzen und freundliche Menschen. Ach, für Freunde sakraler Bauten findet sich hier natürlich eine sehr alte, aber scheinbar nicht mehr als solche genutzte, Kapelle.

Irgendwann erreiche ich eine große Straßenkreuzung, von der aus ich in der Ferne das Meer und die Stadt Laredo sehen kann. Sehr weit oberhalb der Stadt hat man von hier einen grandiosen Blick über die Bucht und den riesigen sichelförmigen 4 km langen Strand. Doch man sieht auch, wie sehr die Bucht mit Hotels zugebaut ist.

Laredo, Blick von oberhalb der Stadt

So trotte ich die Straße hinunter. Es zieht sich. Irgendwann geht von der Serpentinenstraße weg eine Treppe in die Stadt, vorbei am Nonnenkloster, in dem sich eine Pilgerherberge befindet.

Laut meinem Pilgerbuch müsste ich nun weiter durchs Industriegebiet, um dann entlang der Flussmündung in einem Dreieck zum Ende der Bucht zu gelangen, von wo die Fähre nach Santona übersetzt. Mir will nicht ganz in den Kopf, warum die Wegführung so beschrieben ist, wenn der Kopf in Verbindung mit der Karte mich instinktiv die Strandpromenade ansteuern lässt. Nach einem kurzen Abstecher in einem Supermarkt, wo ich mir eine Packung Mispeln kaufe, gehe ich tatsächlich meiner Nase nach zum Strand und sehe, dass dort offizielle Pilgerwegweiser sind. Auf einer Bank mache ich Rast, während einige bekannte Gesichter an mir vorbei zielstrebig Richtung Fähre laufen. Kaum jemand scheint den alten Weg zu nehmen.

img_7704So gehe ich also die vor 60er-Jahre-Charme strotzende Promenade entlang, entscheide mich nach langweiligen 2 km, barfuß am Strand weiter zu gehen und erreiche schließlich den Endpunkt der Lagune auf der Suche nach dem Fähranleger. Dieser entpuppt sich als kleiner Holzsteg auf Sand. Dank Ebbe müssen alle Passagiere das letzte Stück über den Sand gehen. Die Fähre ist ein kleines Boot, die Überfahrt kostet 2,– Euro und dauert nur wenige Minuten.

Auf der anderen Seite der Bucht durchquere ich den Ort Santoña. Nach dem Ort führt der Weg entlang einer hohen Gefängnismauer und dann in eine Ferienhaussiedlung mit Surfschulen. Plötzlich biegt der Weg ab und führt als schmaler, sehr steiler Pfad direkt die Steilküste hoch. Schon beim Hochkraxeln muss ich immer wieder nach unten auf den wunderschönen Strand schauen, der mich ein wenig an die Strände der Gardenroute in Südafrika erinnert. Oben angekommen blicke ich mich um und sehe sehr weit entfernt im Dunst die Berge, über die ich gestern gegangen bin. Ein seltsames Gefühl, das alles zu Fuß geschafft zu haben. Eine kleine Ewigkeit ist der letzte Tag gefühlt bereits her.

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Auf der anderen Seite der Kuppe empfängt mich ein starker, kühler Wind. Über mir summt eine Drohne. Jemand macht Fotos vom Strand und den Surfern (die ich später bei Instagram sehe!). Auf der anderen Seite liegt der ebenfalls wunderschöne Strand von Noja vor mir. Mein Etappenziel für heute. Dort habe ich wieder ein Zimmer reserviert.

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Doch bevor ich dort ankomme, führt der Weg erst mal hinunter zum Strand und dann durch den Sand. Viele Wohnmobile und Bullis stehen hier, davon die meisten Spanier, die wohl das Wochenende hier verbringen.

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Als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen habe, entdecke ich eine Strandbar (ein Rock-Café) aus der Bruce Springsteen tönt. Perfekt für eine kleine Pause! Ich genehmige mir ein Bier und einen Sandwich und bin gerade richtig zufrieden. Die Stimmung ist so toll hier, viele Einheimische, die das Wochenende feiern.

Das Hostel „La Casona“, geführt von einer jungen Familie, hat noch 80er-Jahre-Stil. Das Zimmer zweckmäßig, sauber, mit laut tönender Klimaanlage vor dem Fenster. Inzwischen kann ich ganz gut mit Ohrstöpseln schlafen, macht also nix.

Abendprogramm: Duschen, einkaufen, eine viel zu große Portion Eis und bekannte Pilger treffen, die auch noch in derselben Unterkunft wohnen. Wir beschließen, zusammen im Restaurant unter unserem Hostel zu essen.

Camino del Norte Teil 3 / Hexe huckepack

Freitag, 18. Mai 2018 / Castro Urdiales – Hazas/Liendo (28 km, GPS Route)

Am Morgen die Überraschung: Mehrere mir bereits „bekannte“ Pilger hatten in derselben Unterkunft gewohnt. Sie sind alle früher als ich fertig. So sitze ich alleine am Frühstückstisch und bin schnell mit den kleinen Toastbroten, Butter, Marmelade und Kaffee fertig.

Heute erwartet mich eine längere Etappe, obwohl ich nicht genau weiß, wo sie enden wird, da ich mich noch nicht für eine Herberge bzw. einen Zielort entschieden habe. Mal sehen, was kommt!

Zuerst führt mich der Camino durch die Stadt, an der wirklich sehr kleinen Pilgerherberge vorbei und dann hinaus, durch kleine Orte, entlang der Straße und endlich wieder zur Küste. Der Weg wird hier kurzzeitig urig und steinig, teils durch Weide-Tore. Es bieten sich tolle Aussichten, die Wolken hängen über der Küste, doch außer ein paar Nieseltropfen hält sich das Wetter einigermaßen.

Gegen Mittag erreiche ich Islares, wo die Herberge bereits seit einem Jahr geschlossen ist, wie mir ein alter Mann erklärt. Nun gut, ich will sowieso weiter. An einem großen Campingplatz mache ich Pause, gönne mir einen Kaffee und ein Stück Kuchen und treffe die australischen Rentner wieder. Die entscheiden sich, die Nacht in Hütten auf dem Campingplatz zu verbringen. Die Kniegelenke des österreichischen Australiers sind schließlich gerade erst mit Ersatzteilen versorgt worden. Von seinem Arzt gab es die Anweisung, nicht mehr als 15 bis 20 km pro Tag zu wandern. Wenn er zurück in Australien ist, komme die Erstinspektion der künstlichen Knie, erklärt er mir. Diesen Humor und die Energie wünsche ich mir auch fürs Alter.
Heute spüre ich deutlich die Wadenmuskeln und Müdigkeit. Mal sehen, wie weit ich noch komme. Nicht mehr allzu weit entfernt gäbe es die Pilgerherberge in El Pontarron. Die möchte ich mir ansehen.

Weiter geht es an der Straße entlang und schließlich unter der Autobahn hindurch den Berg hinauf. Genau hier muss ich mich entscheiden, ob ich dem offiziellen Camino folgen oder die Abkürzung nehmen möchte. Ich entscheide mich für den Camino, der zwar steil aber etwas schöner ist. Was ich nicht weiß: Die Abkürzung hätte mich genau zur Herberge geführt, der offizielle Weg führt leider daran vorbei. Weil sich in mir alles sträubt, nach dem Auf- und Abstieg an der Straße zurück nach El Pontarron zu gehen, bleibt mir nichts anderes übrig, als Hazas anzusteuern, was noch ziemlich weit ist.

Ich durchquere Rioseco, wo ich einige Pilger Rast machen sehe. Hier gäbe es die letzten Übernachtungsmöglichkeiten in B&B, doch mich zieht es weiter. Vielleicht ist es der Muskelkater, den ich „rauslaufen“ will, oder dass ich langsam rein komme ins „Ultreia“ (altsprachlich: „Immer weiter“)

Ultreia - Ausspruch altsprachlich für

An einer Straßenkreuzung ein Haus mit Schild: „¡WARNING! You may find witches in this house!“ Irgendwie passt dieses Schild zu meiner Stimmung. Ich befinde mich mittlerweile völlig allein auf dem Camino. Alle anderen scheinen die Abkürzung genommen zu haben oder sind eingekehrt. Ein wenig gruselig fühlt es sich an, dazu der Muskelkater und etwas viel aufgeladenes Wasser, das meinen Rucksack heute besonders beschwert.
Im Ort Magdalena führt der Weg endlich wieder weg von der Straße in einen Eukalyptuswald hinein. Das macht es nicht weniger gruselig.

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Er wird sofort steil und schlammig, da hier die Waldarbeiter mit dem Harvester zugange sind. Knapp neben mir werden Bäume gefällt, während mein Muskelkater sich herzlich für die Steigung bedankt.

Kurze Zeit später finde ich einen Eukalyptus-Ast, der sich gut als Wanderstab eignet und mich ab sofort begleitet. Summend schraube ich mich den Berg hinauf, vorbei an Kühen und Pferden. Die ganze Zeit schon laufe ich alleine vor mich hin. Nur einmal kommt mir ein Reiter entgegen, angestrengt darauf bedacht, dass sein Pferd nicht den steilen Weg hinunter stolpert.

Der Weg entwickelt sich zu einem Bergpass. Außer mir nur ein paar Kühe, ganz entfernt eine Kreissäge und viel Gegend. Aber wo es hinauf geht, geht’s auch wieder hinunter und das ziemlich steinig und steil.

Nach siebeneinhalb Stunden erreiche ich Liendo. Im Ortsteil Hazas begebe ich mich direkt zur Pilgerherberge neben der Kirche, wo ich eines der letzten Betten ergattere. Die Herberge ist tatsächlich schnell so voll, dass ein paar Pilger weiter ziehen müssen. Im Supermarkt kaufe ich mir mein Abendessen, was ich neben einer Gruppe dänischer Pilgerinnen auf der sonnigen Wiese zwischen Kirche und Herberge genieße.

Camino del Norte Teil 2 / Buen Camino auf Australisch

Strand mit Flussmündung

Donnerstag, 17. Mai / Portugalete – Castro Urdiales (27,6 km, GPS-Route)

Typisches Herbergsfrühstück auf dem Camino

Frühstück gibt es bereits ab 6.30 Uhr. Die Herbergsleute pressen Orangensaft und reichen jedem Pilger ein Tablett mit: Tadaaa! Kaffee, Toast, Butter, Marmelade und süßem Gebäck. So viel Zucker auf einmal ist mir zu viel, aber die Energie wird später noch nötig sein.
Am Tisch sitzt eine Gruppe australischer Rentner, mit denen ich leicht ins Gespräch komme. Wie sich heraus stellt, ist einer eigentlich Österreicher. So wechseln wir mal vom Englischen ins Deutsche und wieder zurück.

Punkt 8.00 Uhr breche ich auf. Weiterlesen „Camino del Norte Teil 2 / Buen Camino auf Australisch“

Camino del Norte Teil 1 / Vamos!

Mittwoch, 16. Mai / Bilbao – Portugalete (Link = GPS-Track) / Tag 1 auf dem Jakobsweg, 16,5 km

Das Frühstück fällt typisch spanisch, also eher spärlich aus: Toast, Butter, Marmelade, Kaffee, Orangensaft und immerhin eine Nektarine. Dann verabschiede ich mich von den herzlichen Gastgebern, nachdem sie mir meinen ersten Stempel in den Pilgerausweis drücken und mir einen ‚Buen Camino‘ wünschen.

Auf geht’s! Ab sofort heißt es, den gelben Pfeilen oder den Zeichen mit der Jakobsmuschel zu folgen:

Collage Camino de Santiago Wegweiser

Zuerst laufe ich zum Guggenheim-Museum, das schon von außen so beeindruckend ist, dass ich staunend wie ein kleines Kind davor stehe. Einige Straßenkünstler, Touristen, Pilger und Schulklassen tummeln sich vor Ort.img_7326

Löwe auf HausdachWeiter geht es für mich heute auf der weniger spektakulären Alternativ-Strecke durch die Stadt und das Industriegebiet nach Portugalete, immer am Fluß entlang. Mich begleiten neben beeindruckender Architektur, Wandmalereien und Industriebauten immer wieder Löwen.

Noch frage ich mich, warum der Weg mir Löwen schickt…

Ich treffe Pablo, einen spanischen Pilger, wir laufen kurz gemeinsam und unterhalten uns, bis wieder jeder in seinem Tempo läuft.

Schwebefähre in PortugaleteAngekommen an der Schwebefähre von Las Arenas nach Portugalete staune ich schon wieder. Für 0,40 € geht es über den Fluss. Danach durch den Ort hinauf zur Herberge Bida Ona, wo bereits einige Pilger anwesend sind.lar und die Straßen voller Schüler auf dem Weg zur Schule. Es geht ziemlich schnell hinaus aus dem Ort, entlang der Straße und über die Autobahn hinüber. Der Weg ist auch für Fahrräder gut ausgebaut und es kommen mir einige einheimische Jogger und Biker entgegen. Pilger überhole ich einige, treffe sie später alle wieder.

Hier noch ein paar Bilder aus Bilbao:

Camino del Norte – von Bilbao nach Santander

Eine Woche auf dem Jakobsweg, oder: Eigentlich wollte ich nur wandern!

15. Mai 2018 / Auf nach Spanien!

Es ist Dienstag, ich stehe mit meinem Rucksack am Frankfurter Flughafen und werde sogleich mit der Info versorgt, dass mein Flug nach Madrid 50 min Verspätung hat. Blöd nur, dass ich dort exakt so viele Minuten Umsteigezeit haben werde. Somit wird es knapp. Weiterlesen „Camino del Norte – von Bilbao nach Santander“

7 Nächte oder: The Esthetic of Lostness

7 Nächte werden es sein, die ich im Mai 2018 irgendwo in Spanien verbringe. Wahrscheinlich ohne die 7 Todsünden und mit hoffentlich echteren Eindrücken als jenen, die Simon Strauß in seinem Roman beschreibt. Große Erwartungen werden ja oft enttäuscht. So ging es mir mit dem Büchlein, von dem ich mir doch mehr erhoffte nach all den guten Kritiken. Am Ende ist mir nicht viel in Erinnerung geblieben. Viel spannender erscheint mir da der Gedanke, mich ganz allein auf den Weg zu machen, einen wirklichen Weg. Weiterlesen „7 Nächte oder: The Esthetic of Lostness“