Pinguine finden

Seit etwa einer Woche trage ich nun Reisedaten nach, lade Fotos und GPX Dateien hoch und schwelge dabei in Erinnerungen. Ich hüpfe von Frankfurt nach Phoenix oder Windhoek, ein paar Minuten später bin ich auf dem Tafelberg in Kapstadt, in Chile oder am Indischen Ozean, einen Tag danach auf Lanzarote, in Norwegen,…

Was ist passiert? Ich habe die Seite findpenguins * entdeckt, die es auch als App gibt. Sie bietet den kostenlosen Service, Reise“Tagebücher“ zu führen, seine Reisen und Ausflüge zu dokumentieren, inklusive Kartenmaterial. Alles sehr komfortabel und schön anzusehen. Und eine weitere Möglichkeit, viel Zeit am Computer zu verbrennen…




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Ein Stück Lissabon

stück handgemachte seife

Nachdem ich heute mal wieder mit Haus putzen dran war, fand ich das sorgfältig in eine kleine Papiertüte eingewickelte Stück handgemachte Seife, welches ich Anfang Juni auf dem Flohmarkt in der Alfama von der Seifenmacherin persönlich gekauft hatte.

Es war ein schönes verlängertes Wochenende mit Mann und Freunden. Doch wir waren nicht etwa nur der Stadt wegen dort, sondern wegen der erstmalig in Portugal stattfindenden Marillion Convention, heißt: drei Konzert-Abende mit der Lieblingsband, etwas Programm drum herum und viel Sightseeing.

Nun werde ich vorerst bei jedem Händewaschen an die heißen Tage in Lissabon zurück denken 🙂

Hier noch ein paar Schnappschüsse:

street art lissabon container bemalt als astronautwand fliesen street art lissabon nackte frauinstagram husband at work in lissabon

Instagram husband at work 😉

instagram husband at work

collage wandfliesen lissabon
Collage diverser Wandfliesen

kaktus an hauswand in lissabonstreet art lissabon

Paris

Ein Mama-Sohn-Osterferien-Kurztrip. Mit dem Zug in nur 4 Stunden von Frankfurt in die Stadt der Liebe

Blick zur Notre Dame de Paris einen Tag nach dem Brand im April 2019
Menschen auf einer der Seine-Brücken, Blick zur am Tag zuvor abgebrannten Notre Dame de Paris

Metro und Boot auf der Seine fahren, Sehenswürdigkeiten abklappern, bei viel Sonne und mit viel Spaß gefühlt eine Trillion Schritte tun, sehr nette Menschen treffen, einen toten Hund in der Seine betrauern, Architektur bewundern, in die Vielseitigkeit dieser Stadt eintauchen!
Aber zu allererst schauen wir zur wenige Stunden zuvor durch ein Feuer zerstörte Notre Dame de Paris, bahnen uns den Weg zwischen unzähligen TV-Leuten und anderen Schaulustigen – so viel Aufmerksamkeit bekommt der bettelnde junge Mann mit dem Kleinkind auf der Straße nicht…

Es kommen Erinnerungen an meinen ersten Besuch hier, im heißen Sommer vor genau 20 Jahren, wenige Tage vor der totalen Sonnenfinsternis, welche ich mit Freunden in der Normandie erleben wollte.

Damals übernachteten wir auf dem Campingplatz im Bois du Boulogne und legten fast alle Wege zu Fuß zurück. Die Grande Arche in La Défense faszinierte mich und jetzt den Sohn ebenso.

Den Eiffelturm bestiegen wir ’99 über die Treppen wie jetzt auch, nur war die Warteschlange kürzer als diesmal und es leuchtete uns ein Countdown der Tage bis zur Jahrtausendwende entgegen.

Montmartre ließen wir ’99 aus, also wollte ich diesmal unbedingt hin. Allerdings nur kurz – zu viele Menschen, zu viel Touristennepp und ein Sohn, dessen Füße schmerzten… Wer die vielen Treppen scheut, kann mit einem normalen Fahrschein die Bergbahn zur Sacré Coeur nehmen, während nebendran einige Läufer die Treppen für ihr Fitnessprogramm nutzen.

Die Pariser Innenstadt lässt sich wunderbar zu Fuß entdecken, aber natürlich auch mit diversen anderen Fortbewegungsmitteln. Man kommt sehr einfach mit den Öffentlichen (Metro, Bus, RER) an alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. Wer viel in Museen möchte, für den lohnt sich ein Touristenticket. Tages- oder Mehrtagestickets lohnen sich erst ab etwa 5 Fahrten. Ich kaufte in den drei Tagen zwei 10er Carnets (10er Pack Einzelfahrscheine) zu je 14,90€, die wir gut nutzten. Aber Vorsicht mit den Magnetstreifen der Fahrkarten! Von unseren hatten sich gleich drei Stück entladen, weil ich sie im Portemonnaie mit Kreditkarte etc. aufbewahrte. Da steht man dann ziemlich blöd da und kommt nicht durch die Schranke. Zum Glück hatte ein Serviceschalter geöffnet und wir konnten die Karten umtauschen.
Auch sehr nett und momentan bei Einheimischen wie Touristen der Renner: E-Roller! Die sind auf Straßen und Fahrradwegen genauso präsent wie (Leih-) Fahrräder und genauso schnell! Überall gibt es Leihstationen, überall stehen oder liegen leer gefahrene Roller herum, selbst in der Seine haben wir welche entdeckt…

Paris ist charmant, ohne Frage, und relativ einfach zu erkunden. Teuer ist es auch, wie alle Metropolen. Ich werde nicht nachzählen, was mich dieser Ausflug letztendlich gekostet hat. Stattdessen genießen wir unsere gemeinsamen Erlebnisse. Vielleicht kommt mein Sohn in 20 Jahren wieder nach Paris und besucht die Orte, die er mit mir kennengelernt hat.

Au revoir!

Baumerdigung

Nun haben wir unsere Familienälteste zu Grabe getragen. Das heißt, ihre Asche. Am Fuße einer Buche darf sie nun nach annähernd einem Jahrhundert Leben den Baum düngen und in ihn übergehen. Ihre Seele lebt in unseren Erinnerungen weiter.

So ein Ruheforst ist etwa Schönes, so friedlich, so unaufgeregt, so bescheiden, natürlich, beruhigend und berührend.

Im Frühling werden uns die frischen grünen Buchenblätter daran erinnern, wie alles war.

Mach’s gut und grüß die anderen lieben Menschen, die wir bereits verabschieden mussten.

Baum im Ruheforst

Wieder 11 Jahre alt sein

Für einen Tag wieder elf Jahre alt sein und mit dem besten Freund, der besten Freundin oder beiden nach der Schule verabreden, Abenteuer erleben und in der milden Frühsommersonne auf Bordsteinen sitzend übers Weltall philosophieren.

Bonbons lutschen, bis der Gaumen schmerzt, Eis essen, bis der Bauch weh tut. Fahrrad fahren, bis die Kette abspringt, glauben dass es kein altes Klapprad, sondern ein schickes Crossrad sei…

…zu Winterwanderungen aufbrechen und sich dabei gegenseitig Mut zureden, dass wir gemeinsam den Heimweg schaffen.

Kind auf Schneewehe am Straßenrand, altes schwarz-weiß Foto

Wer schafft die weitesten Sprünge über den Hügel?

Die Knie aufgeschlagen, die kurze Jeans zerrissen vom über Zäune klettern, der Mund verschmiert, die Finger schmutzig, die Haare zerzaust, sausen wir die Bergstraße hinab. Du, mein bester Kumpel, hast sogar einen Tacho am Fahrrad und brüllst mir laut unsere Wahnsinnsraketengeschwindikeit zu, während mein Fahrrad anfängt zu vibrieren. Toll fühlt es sich an, wir sind unverwundbar, unsterblich!

Zum Glück ist der Verkehr nicht mit dem von heute zu vergleichen. Kein Helm schützt unsere Köpfe.

Noch einmal möchte ich mit dir auf der Trauerweide sitzen, die uns so schön hinter ihrer Langhaarfrisur verbirgt und mit selbstgebastelten Erbsenspuckrohren auf den Briefkasten schießen.

Laut kichernd möchte ich Limo mit dir trinken, bis sie uns zur Nase heraus kommt. Einmal mehr versuchen ein Floß zu bauen, mit dem wir die Weltmeere befahren, was die kleinen Ententeiche für uns sind.

Mein bester Kumpel, ich vermisse dich oft seit dieser Zeit.

Die beginnende Pubertät trennte uns. Dann zog ich weg und fand nie wieder vergleichbare Freundschaften wie mit dir und der besten Freundin aus Kindertagen. Ihr seid bis heute ganz tief in meinem Herzen eingebrannt.

Unsere Zeit war so wertvoll und schön. Das wohlige, geborgene Gefühl von damals vermisse ich viel zu oft.

Jetzt ist mein jüngstes Kind selbst in dem Alter. Mein Sohn fährt genauso Fahrrad wie wir damals, wenn auch immerhin mit Helm. Die Lebenszeit rennt. Ich möchte ihm zurufen: „Bleib noch ein wenig länger Kind!“

Stille

Kein Bing, kein Kling
Kein Bild, kein Text

Nur Stille

Keine Worte, keine Gesten

Nur Stille

Wortlose Leere starrt mich an,
Leere macht sich in mir breit

Stille

Fragen formieren sich,
Antworten gibt es nicht

Unerträgliche Stille

Sorge

Schiebe sie weg, glaube, Antworten zu kennen – und wenn ich irre?

Vernunft

Sachliches Denken vertuscht Sorgen

Stille bleibt

Ausnahmsweise diesmal tränenlos
Genug geweint, genug zermürbt

Genug Stille gesucht um Antworten zu finden, die es vielleicht nicht gibt

Worte quellen in meinem Hirn zu Wolken auf und quälen mein Herz

Narben beginnen erneut zu schmerzen und drohen aufzubrechen

Wut beginnt Sorge zu vertreiben, brüllt „Was willst du eigentlich? Mit welchem Recht begehrst du auf?“

Begierde, Leidenschaft und Neugier pochen auf ihr Recht auf Dasein

Wut kontert mit Schuld

Aha, schuldig ist aber auch die andere Seite, die jetzt nur für Stille sorgt

Kann man aktiv Stille herbeiführen? Passiert diese nicht nur durch Passivität?

Kein Knoten platzt, keine Lösung, keine Klarheit wagen sich aus dem Gedankendschungel

Nur die Erinnerung flüstert ab und zu „Pling pling, schau, dies hier und jenes da, weißt du noch?“

Möchte schreien, aber ja doch! Genau deshalb ja!

Erinnerung an Freude und Leid, an Leidenschaft, Genuss und Sehnsucht

Schmerzen. Trauer. Wut.

Das Ende, so etwa? Weiß nichts mehr, fühle nichts mehr

Ruhe – ruh dich aus, lass los!

Alte Schachtel gefüllt mit Frauenfreude

Alte Streichholzschachtel mit Nähzubehör

Wenn meine Oma wüsste, wie sehr ich diese Augenblicke liebe, wenn ich ihr altes Nähkästchen öffne und diese kleinen Schätze entdecke… Und vor allem, dass ich alles gut sortiert in Ehren halte und nutze! Jetzt packe ich gerade ein paar Nähsachen für mein Söhnchen zusammen, die er für die Schule braucht und bin dabei auf diese alte Streichholzschachtel des VEB Zündholzwerk Coswig/Anhalt gestoßen – gefüllt mit ebenso alten Druckknöpfen. Alles echte DDR-Relikte.

Aber: Steht da echt „Frauenfreude“??? Oh je…

Alte Streichholzschachtel mit Nähzubehör
Alte Schachtel gefüllt mit Frauenfreude

 

Sossusvlei – Namibia immer im Herzen

Düne im Sossusvlei, Namibia

Düne im Sossusvlei, NamibiaErinnerungen an den letzten Besuch vor knapp einem Jahr… Ich grabe meine Hände tief in den warmen Sand, schließe die Augen und lasse die Wärme durch meinen Körper fließen. Tief durchatmen, die Wärme aufsaugen und speichern für die Kälte, die uns nach unserer Rückkehr in Deutschland erwarten wird.

Wieder sitzen wir hier oben im Abendlicht. Eigentlich besucht man solche Orte, fernab vom eigenen Zuhause, nicht zweimal in so relativ kurzer Zeit. Es erscheint mir fast wie ein Traum, dass ich schon wieder hier sein darf. Diese Düne im Sossusvlei ist für mich zu einem imaginären Rückzugsort geworden, etwas, woran man in kalten, unruhigen, lauten Zeiten gern denkt. Ich möchte immer wieder hierher zurückkehren, zumindest in Gedanken…