Pinguine finden

Seit etwa einer Woche trage ich nun Reisedaten nach, lade Fotos und GPX Dateien hoch und schwelge dabei in Erinnerungen. Ich hüpfe von Frankfurt nach Phoenix oder Windhoek, ein paar Minuten später bin ich auf dem Tafelberg in Kapstadt, in Chile oder am Indischen Ozean, einen Tag danach auf Lanzarote, in Norwegen,…

Was ist passiert? Ich habe die Seite findpenguins * entdeckt, die es auch als App gibt. Sie bietet den kostenlosen Service, Reise“Tagebücher“ zu führen, seine Reisen und Ausflüge zu dokumentieren, inklusive Kartenmaterial. Alles sehr komfortabel und schön anzusehen. Und eine weitere Möglichkeit, viel Zeit am Computer zu verbrennen…




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Nordschweden 4.0

Es ist 15:40 Uhr und ich mache ein paar Schnappschüsse aus dem SAS Flieger, der uns von Arlanda nach Luleå bringt, während wir zur Startbahn rollen und schließlich sehr wackelig abheben. Über den Wolken wird es ruhig und ich kann noch den Rest des Sonnenuntergangs am Horizont sehen.

Zum vierten Mal bin ich nun unterwegs nach Lappland, diesmal ohne Nachtzug, sondern aufgrund der begrenzten Zeit ganz unökologisch per Flugzeug. Morgen, an meinem 43. Geburtstag, fahren wir den Rest der Strecke von Luleå nach Nattavaara.

Aber erstmal freue ich mich auf eine Nacht in dem Hotel, das uns vor ziemlich genau 3 Jahren als „Notunterkunft“ nach einer langen kalten Nacht im liegen gebliebenen Nachtzug diente. Damals konnten wir uns nur kurz im Clarion Sense aufhalten. Die Zeit reichte für eine heiße Dusche und ein grandioses (wenn nicht sogar das bis dahin beste) Hotel-Frühstück.

South Africa reloaded

Ja, was soll ich schon schreiben? Viel haben wir bei unserem nunmehr 7. Besuch im Süden Afrikas erlebt, gesehen und auf uns wirken lassen.

Ich könnte hier unzählige Fotos hochladen von den wilden Tieren, den Menschen, der grandiosen Landschaft, unseren Wandertouren oder kulinarischen Genüssen.

Doch irgendwie ist das Netz bereits überfüllt mit all diesen Dingen, es gäbe nichts Neues, Einzigartiges zu berichten. Oder doch? Und mein Hirn ist einfach noch nicht fertig mit der Verarbeitung? Möglich. Vielleicht bin ich gerade auch einfach etwas zu müde, zu satt und zu genervt von zu viel Social Media und Bloggerkram.

Hier trotzdem ein paar meiner persönlichen Highlights unserer Reise:

Sie führte uns (zwei Familien mit jeweils zwei Teenagern) in der ersten Woche von Johannesburg zum Krügerpark, über Swaziland nach Saint Lucia. Dann flogen wir von Durban nach Capetown und verbrachten die zweite Woche in und um Stellenbosch mit Wandern, Laufen, lecker Essen und einem abschließenden Picknick in großer Runde (Freunde, die später dazu kamen).

Abenteuer Afrika 7.0

Samstag. Irgendwo vor Zanzibar wache ich auf, es sind -49°C draußen und wir rauschen mit 568mph in 11583m Höhe über den Indischen Ozean, über Afrika, durch die Welt.

Noch knapp dreieinhalb Stunden bis unser Bus, äh, der Qatar Airbus A350 in Johannesburg landet.

Hier im “Bus” sitzen Menschen unterschiedlichster Kulturkreise, hier oben sieht die Welt friedlich aus.

Und dann sind wir da, fahren mit dem Mietwagen durch die wohl trostloseste Gegend Südafrikas, an Industriebauten, verbrannter Landschaft, kargen Ackerflächen vorbei. Unsere Freunde sind zum ersten Mal hier. Mir tut es fast etwas leid, dass ihr erster Eindruck von diesem schönen Land dieser sein wird.

Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir im Marloth Park an und werden erst mal von Giraffen, Kudus und Impalas begrüßt.

Morgen geht es dann in den Krüger Park, Touristenprogramm… an einem Sonntag! Wir rechnen mit “erhöhtem Verkehrsaufkommen” 😉

Out of this world

Auch wenn man nicht wirklich aus der Realität flüchten kann, gibt es Momente, in denen ich mir Dinge wünsche wie ein Raumschiff, eine Zeitmaschine, eine Tarnkappe und derlei Dinge, die man mal eben in der Hosentasche mit sich herum trägt, um sie im passenden Moment zu gebrauchen.

„I want my time with you“

Ich verrate hiermit lieber nicht, wie viele Kilometer ich trotz der um sich greifenden #Flygskam (einem weiteren Umwelttrend aus Schweden) in den letzten Wochen mit dem Flugzeug zurück gelegt habe. 2019 scheint das Jahr der Städte zu sein. Ponta Delgada, Marrakech, Paris, Lissabon, London. (Nach Paris reiste ich immerhin mit dem Zug.) Und wenn ich könnte, würde ich auch Orte außerhalb unseres Planeten besuchen.

Dieses Umherreisen dient nicht dazu, Orte zu sammeln oder um sie auf der Landkarte abzuhaken, sondern um in sie einzutauchen, einen Eindruck von ihnen und von der Welt zu bekommen, sie zu erfahren und zu erfühlen. Es ist natürlich nur ein kleiner Einblick, doch ich möchte Erinnerungen an Paris, London, Pico, Katmandu, Abisko, Lalomanu oder die Insel Olchon haben, möchte wissen, wie es dort riecht, ein Bild im Kopf haben, ein Gefühl wieder hervor holen können, wenn mir jemand den Namen des Ortes sagt, bevor ich diese Welt verlasse.

Inselhüpfer

Voll ist es am kleinen Flughafen der Insel Pico. Unser Flug nach Terceira sollte planmäßig 17:00 gehen.

Der Flug nach Lissabon hat Verspätung, der Check-in quillt über. Wir sehen hier gefühlt so viele Menschen auf einem Haufen wie die letzten fünf Tage auf der Insel nicht!

Das Wetter ist, wie schon die letzte Woche, stürmisch.

Ein Blick meines Aviators auf die Flightradar24 App verrät gegen 15:30, dass der Airbus aus LIS kurz vor Pico umdreht und nach Ponta Delgada fliegt. Wahrscheinlich ist ihm bei diesem starken Seitenwind hier die Bahn zu kurz.

Und nun hat auch unser Flug Verspätung.

In Lajes stehen Flieger nach Mittelamerika. Wie wir sehen, gibt es dort aktuell mehrere Vulkanausbrüche.

Es bleibt abenteuerlich!

Update 18:26

Wir warten noch immer. Letzte Info, dass es 18:40 neue Infos geben soll.

Draußen fährt das Gepäck vorbei. Es regnet in Strömen von rechts nach links.

Update 20:18

Flug wurde gecancelt, Taxi, Hotel, Dinner. Es könnte schlimmer sein.

Silvester in der Luft

Wer sich für Silvester den Wecker auf 5:15 stellt, rechnet wohl kaum mit einer Party am Abend. Thomas steht sogar bereits kurz nach 4 Uhr auf, weil ihn mein unruhiges Gefühl vom Vortag wegen der Reifendruckanzeige des Mietwagens nicht richtig schlafen lässt. Vielleicht müssen wir das Auto ja doch zum Flughafen schieben? Sind ja nur etwa zwei Kilometer…

Es kommt aber wider Erwarten nicht zum Reifeneklat und wir sind überpünktlich 6 Uhr irgendwas an Ponta Delgadas niedlichem Flughafen. Ich gebe das Auto bei exakt demselben Mitarbeiter ab, der mir schon vor einem Jahr meinen Mietwagen ausgehängt und abgenommen hatte, er erklärt alles für in Ordnung und wir checken ein – viel zu früh natürlich!

Vielleicht wegen Silvester ist hier aber auch um diese Zeit schon einiges los.

Kurz vor 8 Uhr (geplante Abflugzeit) fängt es an wie aus Eimern zu schütten! Werden wir also nass auf dem kurzen Weg zum Flugzeug?

Nein, man wartet geduldig den Schauer ab und lässt die Passagiere erst rüber gehen, als nix mehr tropft.

Da steht sie, die olle Propellermaschine, eine etwa 21 Jahre alte Dash 8-200, das wohl kleinste Flugzeug der SATA Flotte. Dieses soll uns zur Insel Pico bringen, etwa 40 min Flugzeit von hier.

Ich freue mich wie eine Schneekönigin auf den Flug, denn außer einem kleinen Rundflug vor vielen Jahren in einer winzigen Piper bin ich noch nicht mit so was Kleinem geflogen.

Um uns herum nimmt eine azorische Großfamilie samt Baby und Großeltern Platz. Die Omi findet Fliegen anscheinend gar nicht witzig und betet während des gesamten Fluges mit geschlossenen Augen leise vor sich hin, während ihr Sohn vom Platz dahinter ihr die Hand hält. Das etwa 4 Monate alte Baby sagt dagegen keinen Ton.

Laut propellernd geht es dann nach Pico. Im Fenster neben mir hat sich eine Spinne einquartiert. Ob sie hier wirklich satt wird? Jedenfalls lebt sie und spinnt fleißig ihr Netz.

8:58 landen wir auf dem noch niedlicheren Flughafen der Insel Pico mit dem beeindruckenden gleichnamigen Vulkanberg, mit 2513m Portugals höchster Berg! Ich würde ihn zu gern besteigen, was aber bei diesem wechselhaften Wetter und ohne Guide absolut nicht empfohlen wird. Oben liegt Schnee, während eine kleine zarte Wolke den Gipfel wie ein Seidentuch umhüllt.

Ansonsten empfängt uns die Insel, die auf den ersten Blick etwas an Lanzarote erinnert, mit blauem Himmel und Sonnenschein.

Ich wünschte, das Wetter würde so bleiben, doch traue mich fast nicht, es zu sagen, denn die Wetterprognose sieht anders aus.

Also erstmal Mietwagen abholen (aha, Hertz hat hier keinen Schalter wie Ilha Verde, sondern schickt einen Mitarbeiter mit Schild und Kartenlesegerät, der uns einen ziemlich dreckigen, zerdengelten Twingo aushändigt), in Madalena einkaufen und ab nach Santa Amaro, wo unser Ferienhaus auf uns wartet.

Dieses präsentiert sich als echtes Highlight, gelegen auf einer Anhöhe mit traumhafter Aussicht zum Meer und zur Insel Saõ Jorge und ist sehr geschmackvoll eingerichtet.

Wir finden hier alles, was wir brauchen, sogar Bananen im Garten, aber (oh Weh!!!) kein Internet bzw. Wi-fi. Ein Schock für unseren 12-Jährigen, der sich natürlich entsprechend darüber aufregt. Muss er jetzt etwa doch den 450 Seiten schweren Jugendroman lesen? Mal sehen…

Am Nachmittag erkunden wir die Umgebung bei einem kleinen Silvesterlauf, sehen mehrere Regenbogen und Kühe, Hühner, Hunde, Pferde, Lavagestein und Menschen. Den Tag beenden wir mit Nudeln in Tomatensoße, original azorischem Frischkäse und ein paar Gesellschaftsspielen. Familienzeit ohne Internet, dafür mit einem tollen Sternenhimmel. Als nach mitteleopäischer Zeit endlich Neujahr ist, gehen wir schlafen. Hier ist es erst 22:00 und außer flackernden Straßenlaternen passiert eh nichts Aufregendes mehr.

Prost Neujahr!

Nach wie vielen Flügen?

Flugzeugtragflächen bei Sonnenuntergang, Collage

Nach wie vielen Flügen hört das Gefühl auf, dass Fliegen etwas Besonderes ist?

Blick aus dem Flugzeug auf die Startbahn
Ich erinnere mich noch sehr genau an meinen ersten Flug (Mitte der 90er in einer Boeing 737 von Stuttgart nach Frankfurt und anschließend mit der 747 weiter nach Santiago de Chile), was wohl daran liegt, dass ich damals bereits 17 Jahre alt war und bis dahin so sehnsüchtig davon geträumt hatte, endlich in ein Flugzeug steigen zu können.

Flugzeugflügel einer Condor-Maschine über Kapstadt

Meine Kinder flogen mit etwa 2 Jahren zum ersten Mal und erinnern sich kaum noch daran. Für sie gehört es zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens.

Seit meinem ersten Flug sind einige Meilen dazu gekommen (234.115 in Kilometern insgesamt), ich habe statistisch gesehen ca. 5,8 Mal die Erde umrundet (Vielflieger lächeln bei diesen Zahlen milde…), doch das schöne Gefühl ist immer noch da.

Eigentlich gehören wir dort nicht hin, so weit oben, über den Wolken.

Blick aus dem Flugzeugfenster auf Wolkenformationen

Etwas, das nur durch die große Sehnsucht des Menschen, sich auch in der Luft fortzubewegen, durch Visionen, Erfindergeist und technischen Fortschritt möglich wurde, fasziniert mich unglaublich.

Wenn jetzt noch eine Alternative zum umweltschädlichen Verbrennungsmotor auch für große Flugzeuge entwickelt würde, wäre die Fliegerei ohne schlechtes Gewissen machbar und ich umso glücklicher.

Birdy – Musik fühlen

peter gabriel, cover, birdy

Ich sitze im Auto, fahre die Serpentinenstraße zum Vulkan hoch. Mein Smartphone spielt über die Auto-Lautsprecher Peter Gabriels Musik ab.Weg im Nebel
Dunkle, dumpfe Trommeltöne, schwere Bässe und langgezogene Bläsertöne dröhnen laut durch mich durch. Sie durchfließen meinen Kopf, meinen Körper, machen Gänsehaut, bringen mich innerhalb weniger Sekunden in eine andere Welt. Weiterlesen „Birdy – Musik fühlen“