– ABGESAGT –

Gestern war eine meiner Aufgaben, in diversen Veranstaltungskalendern und Social Media Kanälen die Veranstaltungen meines Arbeitgebers abzusagen – bis Mitte April keine Kultur mehr in der Stadt!

Heute musste ich mich nun selbst schweren Herzens entscheiden, ob ich meine Wochenendreise nach Dresden antreten oder stornieren will. Nach stündlicher Prüfung der Buchungsseiten und Medienberichten entschied ich mich gegen die Reise.

Schade. So langsam legen die behördlich angeordneten Vorsichtsmaßnahmen wegen der sich ausbreitenden Corona-Virus-Epidemie das öffentliche Leben lahm.

Ein Bundesland nach dem anderen schließt seine Schulen. Im ganzen Land wurden erste Groß- und schließlich nach und nach alle Veranstaltungen abgesagt.

Die Deutsche Bahn nimmt inzwischen anstandslos auch nicht stornierbare Tickets ihrer Kunden zurück.

Also werde ich das Wochenende zuhause verbringen, statt mir Dresden anzuschauen, werde weiter auf heimischen Pfaden laufen statt an der Elbe und beim ebenfalls abgesagten Dresdner Stadtlauf und mir überlegen, wie ich das jüngere Kind die nächsten Wochen sinnvoll beschäftigen kann.

Wir steuern also auf einen Shutdown zu und können schon mal für die Apokalypse üben. Aber immerhin mit Sekt im Kühlschrank und Wein im Keller. Prost!

Pinguine finden

Seit etwa einer Woche trage ich nun Reisedaten nach, lade Fotos und GPX Dateien hoch und schwelge dabei in Erinnerungen. Ich hüpfe von Frankfurt nach Phoenix oder Windhoek, ein paar Minuten später bin ich auf dem Tafelberg in Kapstadt, in Chile oder am Indischen Ozean, einen Tag danach auf Lanzarote, in Norwegen,…

Was ist passiert? Ich habe die Seite findpenguins * entdeckt, die es auch als App gibt. Sie bietet den kostenlosen Service, Reise“Tagebücher“ zu führen, seine Reisen und Ausflüge zu dokumentieren, inklusive Kartenmaterial. Alles sehr komfortabel und schön anzusehen. Und eine weitere Möglichkeit, viel Zeit am Computer zu verbrennen…




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Totale Sonnenfinsternis – Erinnerungen an 1999

„…beschlossen wir, uns an der Küste entlang durch die Felsen zu bohren. Wir überquerten Kiesstrände, rutschten über Algen, bestiegen Leitern und gingen durch dunkle, feuchte Felstunnel, bis wir endlich an unser Ziel gelangten. Vor uns lag die von uns drei Tage mit Strapazen gesuchte Stadt Étretat.“

Sarah, Freitag, 6. August 1999
Kreidefelsen, Steilküste in der Nähe von Étretat

Dies war der letzte Eintrag in unserem Reisetagebuch, bevor wir unsere seltsame Interrail-Rucksack-Wandertour an der Küste der Normandie abbrechen mussten, weil ich krank wurde.

Wir hatten zuvor einige Tage in Paris verbracht und waren anschließend mit dem Zug Richtung Normandie aufgebrochen, um entlang der Küstenlinie von Le Havre bis Étretat zu wandern. Vier junge Menschen, ausgestattet mit einem Zwei-Personen-Zelt, teils zu schweren Rucksäcken, zu wenig Essen und vor allem zu wenig Trinkwasser. Aber wir wollten das Abenteuer – wild zelten an der Steilküste und schließlich die totale Sonnenfinsternis in ihrem Kernschatten an einem der schönsten Orte erleben.
Abenteuer hatten wir, doch leider auch etwas Stress untereinander und ich dann eben diese blöde, sehr schmerzhafte Blasenentzündung. So verließen wir Frankreich bereits wenige Tage vor dem großen Ereignis und erlebten die SoFi weniger spektakulär in München – was damals ebenfalls im Kernschatten lag.

Pause von allem am Polarkreis

Die letzten Tage habe/bin ich:

  • zum Geburtstag am Polarkreis mit Schokoladenkuchen und mir von vorangegangen Reisen bekannten Gästen überrascht worden
  • in einer Gegend ohne jegliches künstliches Licht unter klarem Himmel gestanden und mich über Sternschnuppen gefreut
  • wunderbares, selbst geschöpftes Quellwasser getrunken
  • Rentiere, Elche, lustige Hunde und Menschen getroffen
  • gut gegessen
  • in der Sauna geschwitzt
  • Feuer gemacht
  • nackt im Schnee gestanden
  • bei Minusgraden und Kerzenschein auf dem Plumpsklo gesessen
  • viel gelacht
  • gut geschlafen
  • Ruhe getankt
Toilettenkerze
Rentier

Und ich bin über die zugefrorene Ostsee gelaufen – wie schon als Kind einmal an der ostdeutschen Küste – nur dieses Mal am anderen „Ende“.

5 Tage Auszeit und so viele Eindrücke, viel erlebt.

Danke, Universum 🙂

zugefrorene Ostsee bei Luleå

Nordschweden 4.0

Es ist 15:40 Uhr und ich mache ein paar Schnappschüsse aus dem SAS Flieger, der uns von Arlanda nach Luleå bringt, während wir zur Startbahn rollen und schließlich sehr wackelig abheben. Über den Wolken wird es ruhig und ich kann noch den Rest des Sonnenuntergangs am Horizont sehen.

Zum vierten Mal bin ich nun unterwegs nach Lappland, diesmal ohne Nachtzug, sondern aufgrund der begrenzten Zeit ganz unökologisch per Flugzeug. Morgen, an meinem 43. Geburtstag, fahren wir den Rest der Strecke von Luleå nach Nattavaara.

Aber erstmal freue ich mich auf eine Nacht in dem Hotel, das uns vor ziemlich genau 3 Jahren als „Notunterkunft“ nach einer langen kalten Nacht im liegen gebliebenen Nachtzug diente. Damals konnten wir uns nur kurz im Clarion Sense aufhalten. Die Zeit reichte für eine heiße Dusche und ein grandioses (wenn nicht sogar das bis dahin beste) Hotel-Frühstück.

The shape of water*

*Einer der 10 Filme, die ich während der Flüge nach und von Südafrika sah… welch Luxus, Kinofilme in großer Auswahl, welch Luxus, reisen zu dürfen, die Welt kennenzulernen, immer wieder bin ich unendlich dankbar dafür.

Süßwasserspeicher auf dem Tafelberg, Kapstadt

2019 ist ein besseres Jahr für die Kapregion Südafrikas, wenn es um Wasser geht. Es hat genügend geregnet, sodass bisher keine Rationierung nötig war. Ganz anders sah es bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren aus. Damals war die Regierung kurz davor, den Notstand auszurufen. Die Reservoire in den Bergen waren noch vor dem Sommer nicht mal halb gefüllt. Das Duschwasser musste mit Eimern und Schüsseln aufgefangen werden, auch in den Touristenunterkünften, um damit wenigstens noch die Gärten zu gießen. Was machen die ganz Armen? Es bleibt für mich schwer vorstellbar, wie diese Menschen überleben. An einer Tankstelle sah ich einen Mann, der sich mit dem Wasser wusch, das zum Scheibenputzen verwendet wird.

Dieses Jahr war alles entspannter. Trotzdem wäre es doch längst überfällig, den Wasserverbrauch zu senken, weltweit!
Aber (Achtung, ich wiederhole mich), so lange in „Wassernotstandsgebieten“ Golfplätze bewässert werden und in unserer hochtechnisierten Welt Trinkwasser für die Klospülung benutzt wird, ist die Dringlichkeit noch nicht in den Köpfen angekommen.

South Africa reloaded

Ja, was soll ich schon schreiben? Viel haben wir bei unserem nunmehr 7. Besuch im Süden Afrikas erlebt, gesehen und auf uns wirken lassen.

Ich könnte hier unzählige Fotos hochladen von den wilden Tieren, den Menschen, der grandiosen Landschaft, unseren Wandertouren oder kulinarischen Genüssen.

Doch irgendwie ist das Netz bereits überfüllt mit all diesen Dingen, es gäbe nichts Neues, Einzigartiges zu berichten. Oder doch? Und mein Hirn ist einfach noch nicht fertig mit der Verarbeitung? Möglich. Vielleicht bin ich gerade auch einfach etwas zu müde, zu satt und zu genervt von zu viel Social Media und Bloggerkram.

Hier trotzdem ein paar meiner persönlichen Highlights unserer Reise:

Sie führte uns (zwei Familien mit jeweils zwei Teenagern) in der ersten Woche von Johannesburg zum Krügerpark, über Swaziland nach Saint Lucia. Dann flogen wir von Durban nach Capetown und verbrachten die zweite Woche in und um Stellenbosch mit Wandern, Laufen, lecker Essen und einem abschließenden Picknick in großer Runde (Freunde, die später dazu kamen).

Abenteuer Afrika 7.0

Samstag. Irgendwo vor Zanzibar wache ich auf, es sind -49°C draußen und wir rauschen mit 568mph in 11583m Höhe über den Indischen Ozean, über Afrika, durch die Welt.

Noch knapp dreieinhalb Stunden bis unser Bus, äh, der Qatar Airbus A350 in Johannesburg landet.

Hier im “Bus” sitzen Menschen unterschiedlichster Kulturkreise, hier oben sieht die Welt friedlich aus.

Und dann sind wir da, fahren mit dem Mietwagen durch die wohl trostloseste Gegend Südafrikas, an Industriebauten, verbrannter Landschaft, kargen Ackerflächen vorbei. Unsere Freunde sind zum ersten Mal hier. Mir tut es fast etwas leid, dass ihr erster Eindruck von diesem schönen Land dieser sein wird.

Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir im Marloth Park an und werden erst mal von Giraffen, Kudus und Impalas begrüßt.

Morgen geht es dann in den Krüger Park, Touristenprogramm… an einem Sonntag! Wir rechnen mit “erhöhtem Verkehrsaufkommen” 😉

Via Franz Kafka

Als ich heute morgen erwachte, fühlte sich alles ganz normal an, bis auf den 12jährigen, der neben mir im VW Bus im Schlaf etwas grunzte und mich mit dem Ellbogen in die Seite knuffte. Wie groß mein Sohn geworden ist – wo ist nur die Zeit geblieben?

Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz in Glurns/Südtirol, auf dem Weg zum Gardasee. Während Mann und Tochter mit Fahrrädern gerade ihre vorletzte Etappe auf dem Alpe-Adria-Radwanderweg in Angriff nahmen, kochte ich erst mal Kaffee im Espressokocher auf der so schön vom Mann zurecht gebastelten Küchenbox.

Dann auf nach Riva! Die Fahrt dauerte etwa 2,5 Stunden, trotz voller Straßen stets im Fluss, wahrscheinlich gerade aufgrund der Geschwindigkeitsbeschränkungen (liebes Deutschland, nimm dir endlich ein Beispiel!). In Riva checkten wir ein im schönen Hotel Bellariva in der Via Franz Kafka mit nebenan gelegenem Appartementhaus und eigenem Parkplatz (sehr komfortabel, da es hier alles etwas beengt ist).

Unser Appartement im vierten Stock hat See- und Bergblick nach Westen, einfach wunderbar.

Wenn sich jetzt noch endlich die vielen einzelnen Gewitter verziehen würden, könnte ich endlich im See schwimmen gehen!

Morgen erwartet uns eine 3,5-stündige Fahrt nach Grado, wo wir unsere radelnde Familienhälfte nach einer Woche hoffentlich wohl behalten wiedersehen und abholen werden.

Vielleicht können wir unterwegs sogar einen Blick nach Venedig erhaschen.

Ich hoffe sehr, dass Franz Kafka mich morgen unverwandelt aufwachen lässt…

Out of this world

Auch wenn man nicht wirklich aus der Realität flüchten kann, gibt es Momente, in denen ich mir Dinge wünsche wie ein Raumschiff, eine Zeitmaschine, eine Tarnkappe und derlei Dinge, die man mal eben in der Hosentasche mit sich herum trägt, um sie im passenden Moment zu gebrauchen.

„I want my time with you“

Ich verrate hiermit lieber nicht, wie viele Kilometer ich trotz der um sich greifenden #Flygskam (einem weiteren Umwelttrend aus Schweden) in den letzten Wochen mit dem Flugzeug zurück gelegt habe. 2019 scheint das Jahr der Städte zu sein. Ponta Delgada, Marrakech, Paris, Lissabon, London. (Nach Paris reiste ich immerhin mit dem Zug.) Und wenn ich könnte, würde ich auch Orte außerhalb unseres Planeten besuchen.

Dieses Umherreisen dient nicht dazu, Orte zu sammeln oder um sie auf der Landkarte abzuhaken, sondern um in sie einzutauchen, einen Eindruck von ihnen und von der Welt zu bekommen, sie zu erfahren und zu erfühlen. Es ist natürlich nur ein kleiner Einblick, doch ich möchte Erinnerungen an Paris, London, Pico, Katmandu, Abisko, Lalomanu oder die Insel Olchon haben, möchte wissen, wie es dort riecht, ein Bild im Kopf haben, ein Gefühl wieder hervor holen können, wenn mir jemand den Namen des Ortes sagt, bevor ich diese Welt verlasse.