Pinguine finden

Seit etwa einer Woche trage ich nun Reisedaten nach, lade Fotos und GPX Dateien hoch und schwelge dabei in Erinnerungen. Ich hüpfe von Frankfurt nach Phoenix oder Windhoek, ein paar Minuten später bin ich auf dem Tafelberg in Kapstadt, in Chile oder am Indischen Ozean, einen Tag danach auf Lanzarote, in Norwegen,…

Was ist passiert? Ich habe die Seite findpenguins * entdeckt, die es auch als App gibt. Sie bietet den kostenlosen Service, Reise“Tagebücher“ zu führen, seine Reisen und Ausflüge zu dokumentieren, inklusive Kartenmaterial. Alles sehr komfortabel und schön anzusehen. Und eine weitere Möglichkeit, viel Zeit am Computer zu verbrennen…




|*externer Link / unbezahlte Werbung |

Pause von allem am Polarkreis

Die letzten Tage habe/bin ich:

  • zum Geburtstag am Polarkreis mit Schokoladenkuchen und mir von vorangegangen Reisen bekannten Gästen überrascht worden
  • in einer Gegend ohne jegliches künstliches Licht unter klarem Himmel gestanden und mich über Sternschnuppen gefreut
  • wunderbares, selbst geschöpftes Quellwasser getrunken
  • Rentiere, Elche, lustige Hunde und Menschen getroffen
  • gut gegessen
  • in der Sauna geschwitzt
  • Feuer gemacht
  • nackt im Schnee gestanden
  • bei Minusgraden und Kerzenschein auf dem Plumpsklo gesessen
  • viel gelacht
  • gut geschlafen
  • Ruhe getankt
Toilettenkerze
Rentier

Und ich bin über die zugefrorene Ostsee gelaufen – wie schon als Kind einmal an der ostdeutschen Küste – nur dieses Mal am anderen „Ende“.

5 Tage Auszeit und so viele Eindrücke, viel erlebt.

Danke, Universum 🙂

zugefrorene Ostsee bei Luleå

Nordschweden 4.0

Es ist 15:40 Uhr und ich mache ein paar Schnappschüsse aus dem SAS Flieger, der uns von Arlanda nach Luleå bringt, während wir zur Startbahn rollen und schließlich sehr wackelig abheben. Über den Wolken wird es ruhig und ich kann noch den Rest des Sonnenuntergangs am Horizont sehen.

Zum vierten Mal bin ich nun unterwegs nach Lappland, diesmal ohne Nachtzug, sondern aufgrund der begrenzten Zeit ganz unökologisch per Flugzeug. Morgen, an meinem 43. Geburtstag, fahren wir den Rest der Strecke von Luleå nach Nattavaara.

Aber erstmal freue ich mich auf eine Nacht in dem Hotel, das uns vor ziemlich genau 3 Jahren als „Notunterkunft“ nach einer langen kalten Nacht im liegen gebliebenen Nachtzug diente. Damals konnten wir uns nur kurz im Clarion Sense aufhalten. Die Zeit reichte für eine heiße Dusche und ein grandioses (wenn nicht sogar das bis dahin beste) Hotel-Frühstück.

MeerZeit

Wir liegen nach einem Strandspaziergang in unserem Bulli mit Blick aufs Meer, nach zwei Tagen „auf See“ mit der Stena Line, einem Kurztrip Kiel-Göteborg und zurück.

Es ist der wohl schönste, weil geschmackvollste, plastikstuhlfreie Campingplatz Schleswig-Holsteins, auf dem wir die dritte Nacht unseres Ausflugs ohne Kinder verbringen. PaarZeit.

Göteborg war auch schön. Wir hatten tolles Wetter, sind viele Stunden zu Fuß in der Stadt unterwegs gewesen und haben die vielleicht größte Zimtschnecke der Welt im Café Husaren gegessen.

Morgen geht’s zurück nach Hause, einmal von Norddeutschland in dessen Mitte, zurück zu unseren Kindern, die das erste Mal mehrere Tage alleine zu Hause sind…

Adjö, Sverige!

Blick aus dem Flugzeug auf die Tragfläche im Landeanflug auf Stockholm-Arlanda

Parfümgeschwängerte zu warme Luft, Kinderlachen, murmelnde Stimmen, Geraschel von aufreißenden Sandwichverpackungen, das Brummen und Rauschen des Flugzeugs.

Wir sitzen wieder mal in einem Lufthansa Airbus auf dem Heimweg aus einer anderen Welt.

Eine Welt voller Schneemassen, klarer, kalter Luft, Ruhe, polarlicht- und sternverziertem Himmel. Eine Welt fast ohne Elektronik, ohne Stress, ohne Strom, dafür immer frisches Quellwasser, Sauna, viele lustige, nette Gespräche, viel Bewegung, Einfachheit, Reduzierung auf Wesentliches. Zwischenmenschliches. Archaisches. Naturverbundenheit.

Auf Wiedersehen, geliebtes Schweden und vielleicht bis bald!

Wildnisdorf Solberget am Abend der Abfahrt. Moritz bringt unser Gepäck auf dem Lastschlitten zu den Autos.
Wildnisdorf Solberget am Abend der Abfahrt. Moritz bringt unser Gepäck auf dem Lastschlitten zu den Autos.

Umeå, die Stadt der Zeitreisenden

Es ist 01:50 als ich zum gefühlten 1000 Mal im „Arctic Circle Train“ aufwache, der gerade irgendwo in Schweden hält. Wir haben schon einige Stunden Zugfahrt vom Flughafen Stockholm Arlanda Richtung Norden hinter uns und nochmal so viele vor uns, bevor wir Nattavaara erreichen.

Die zwei Bier vom Abend melden sich, also wurschtel ich mich aus dem obersten der drei Betten im Abteil, dann in Hose und Schuhe, versuche dabei nicht meine Familie zu wecken und gehe mal zur Toilette.

Der Blick aus dem Fenster offenbart den Bahnhof von Umeå.

Ich versuche mich an einem Foto durch die spiegelnde Scheibe, und zwar genau 01:58 Uhr – siehe Screenshot:

Dann passiert es, ich reise in die Zukunft! In meinem Kopf vergehen zwei, in echt 58 Minuten!

Screenshot Nr2:

Als ich endlich richtig wach bin und das Hirn wieder funktioniert, wird mir klar, dass auch die Schweden noch immer an dieser dummen Zeitumstellung festhalten.

Doch wieder nichts mit Zeitreise…leise Enttäuschung macht sich breit, ich winke zu den Umeånern ein stummes „Adieu und bis bald“ und krabbele wieder in mein wackeliges Bett im sov vagn.